Lucius Septimius Severus Pertinax 193 bis 211 n.Chr.

Silber Denar Rom Lucius Septimius Severus Pertinax 203/204 n.Chr.

Münze:
Denar der römischen Kaiserzeit 203/204 n.Chr.
Material: Silber
Durchmesser: 18mm
Gewicht: 3,43g
Münzstätte: Rom
Provenienz: Roma Numismatic, London
Referenz: RIC IV Septimius Severus 266

Avers:
Zu sehen ist die nach rechts gerichtete Büste des Septimius Severus mit Lorbeerkranz. Die Inschrift lautet: SEVERVS PIVS AVG für Severus Pius Augustus.

Nach der Ermordung von Commodus Nachfolger Pertinax in Rom am 28. März 193 n.Chr. nutzte Lucius Septimius Severus die sich bietende Chance und ließ sich zwischen dem 09. und 15. April 193 n.Chr. von den pannonischen Truppen in Carnuntum zum Kaiser und damit zum Augustus ausrufen. Wahrscheinlich spielte die stationierte Legio XIV gemina eine besondere Rolle, da Severus allein für diese Legion zur Ehre auch Goldmünzen schlagen ließ. Wie bereits erwähnt, soll die Ausrufung zum Kaiser zwischen dem 09. Und 15. April erfolgt sein. Letzteres Datum könnte einen abergläubischen oder auch religiösen Hintergrund haben. So soll er die drei Tage von seinem Geburtstag (11. April) an bis zur Proklamation im Glauben an die glückbringende Wirkung der Dreizahl gewartet haben.

Seit dem Jahr 195 n.Chr. nannte sich Septimius Severus in der offiziellen Titulatur der Militärdiplome, in der Mehrzahl der Inschriften und Münzen, in dem er nicht aus bloßer Eitelkeit, sondern zur Einführung der göttlichen Verehrung des Kaiserhauses im Staate seine Adoption durch Marcus Aurelius offiziell verkündete: imperatoris Caesaris divi Marcus Antonini Pii Sarmatici Germanici filius, divi Commodi frater, divi Antonini Pii nepos, divi Hadriani pronepos, divi Traiani Parthici abnepos, divi Nervae adnepos Lucius Septimius Severus Pius Pertinax Augustus. Vor dem Jahr 195 n.Chr. fehlen die Bezeichnungen Pius und Pertinax ausnahmslos in der Titulatur.

Anfang 194 n.Chr. besiegte Septimius Severus seinen Rivalen Pescennius Niger bei Kyzikos, dann entscheidend am 31. März bei Issos. Anschließend verlor dieser auf der Flucht zu den Parthern seinen Kopf und damit sein Leben. Nun konnte sich Severus weiter dem Osten zuwenden. Im Jahr 195 n.Chr. (vor dem 28. August) erfolgte die dreimalige Annahme des Imperatorentitels durch die Siege über Osroene, Arabien und Adiabene. Der römische Senat zeichnete daraufhin Severus durch die Ehrennamen Adiabenicus, Arabicus und Parthicus aus, welche sich auf zahlreichen Münzen und Inschriften in den verschiedensten Kombinationen, wie PART ARAB und PART ADIAB, finden lassen. Die Verleihung des Titels Parthicus ist jedoch insofern merkwürdig, da doch Severus gar keinen Zug gegen die Parther unternommen hatte, und nur so zu verstehen ist, dass die Adiabener und mesopotamischen Araber Vasallen der Parther gewesen sind.

Im Herbst 197 n.Chr. unternahm der Kaiser seinen zweiten Feldzug gegen die Parther und Mesopotamien. Dabei eroberte er unter anderem Babylon, Seleukeia und Ktesiphon. Mit der Belagerung von Hatra scheiterte Septimius Severus jedoch zweimal, so dass später Friedensbedingungen ausgehandelt werden mussten. Durch den insgesamt erfolgreichen Feldzug nahm Septimius Severus Anfang des Jahres 198 n.Chr. den Beinamen „Parthicus Maximus“ an, welcher auch auf Münzen mit der Titulatur „PART MAX“ geprägt wurde. Diesen Titel hatte vor ihm nur Traian getragen, an dessen militärische Erfolge und Größe Septimius erinnern und somit für sich propagandieren wollte.

Den Titel Pius findet man, wie bei seinem Sohn Caracalla, das erste Mal 201 n.Chr. auf den Münzen des Septimius Severus. Der Titel Felix erscheint zwar offiziell, wie zum Beispiel auf dem berühmten Triumphbogen des Septimius Severus, auf Münzen sucht man ihn jedoch vergebens. Einer seiner letzten Ehrentitel erhielt der Kaiser neben Caracalla und seinem zweiten Sohn Geta im Jahr 210 n.Chr. durch die erfolgreichen Feldzüge in Britannien gegen die Kaledonier und Mäaten. Der vergebene Ehrentitel Britannicus findet sich ab diesem Zeitpunkt bis zum Ende der Münzprägung für Septimius Severus auf einigen Münzen mit der Legendeninschrift BRIT wieder.

Von Septimius Severus sind vier Bildnistypen überliefert. In der Gestaltung der beiden ersten ist eine klare Programmatik zu erkennen, anders als bei den beiden folgenden. Der erste Typus ist bis ins Jahr 196 n.Chr. gültig. Septimius Severus ist hier mit kräftig-gedrungenem Gesicht, leichten Gesichtsfalten und kürzerem, durch Bohrungen aufgelockertem Haar und Bart wiedergegeben. In seinem Erscheinungsbild ist er kaum von dem hier auf Clodius Albinus bezogenen Bildnis zu unterscheiden. Sicher war die Ähnlichkeit beabsichtigt und die Bildaussage dieselbe. Zugleich wurde die allzu enge Anlehnung an die überfeinerte Tradition der Antoninen gemieden, wie sie Didius Julianus vertreten hatte.

Dann aber, in der schwelenden Auseinandersetzung mit Clodius Albinus und den damit einhergehenden Legitimationsproblemen, suchte Severus symbolisch den Rückhalt im antoninischen Kaiserhaus. Seit 195 n.Chr. propagierte er seine Abstammung von den Antoninen bzw. seine Adoption in dieses Kaiserhaus. Haar und Bart sind bei diesem Typus wesentlich üppiger und länger als vorher. Das Haar wölbt sich an den Schläfen in großen Schwüngen nach außen, nur in der Mitte sitzen einige kleine kurze Locken. Alle Falten sind aus dem Gesicht getilgt. Bis auf die kurzen Locken in der Stirnmitte sind damit die charakteristischen Züge des letzten Typus des Marc Aurel wiederholt. Auf den Münzen ist der Typenwandel im Jahr 196/197 n.Chr. zu beobachten.

Ein neuer Bildnistypus des Kaisers, der nur wenige Jahre später entstand, ist aus dem Typus des Jahres 196/197 n.Chr. entwickelt, mit einer auffallenden Veränderung. An die Stelle der kurzen Löckchen in der Stirnmitte treten vier lang herabhängende Locken. Diese können gewellt sein, es können aber auch richtige Korkenzieherlocken sein. Dieser Typus ist seit ca. 200 n.Chr. auf Münzen gut erkennbar. Die Forschung hat in den Stirnlocken lange eine Nachahmung der Stirnlocken des graeco-ägyptischen Gottes Sarapis sehen wollen. Deshalb wird der Typus gern als „Sarapistypus“ bezeichnet. Septimius soll den Gott auf einer Reise nach Ägypten in den Jahren um 200 n.Chr. besonders schätzen gelernt haben, sein Sohn Caracalla hat ihm später in Rom einen aufwendigen Tempel errichtet. Doch ist diese Vermutung inzwischen mit guten Gründen in Frage gestellt und vorgeschlagen worden, in der Frisur eine auch sonst verbreitete Modefrisur zu sehen.

In einem späteren Typus, der auf dem nach 204 n.Chr. zu datierenden Ehrenbogen für Septimius Severus in seiner Heimat Leptis Magna erscheint, hat Septimius Severus einen längeren, aber weniger voluminösen Bart und sehr kurz geschnittenes Haar, das zungenförmig ins Gesicht gekämmt ist und dem Kopf eng anliegt. Nach den retardierenden Rückgriffen auf die antoninische Tradition scheint Severus sich damit der schon lange beliebten und programmatisch von seinen Söhnen getragenen Kurzhaarmode der Zeit anzunähern.

Revers:
Zu sehen ist die Göttin Dea Caelestis mit aufwendigem Kopfschmuck und langem Gewand auf einem Löwen sitzend. Sie hält einen Fulmen (Blitzbündel) in der rechten und ein kurzes Szepter in der linken Hand. Wasser strömt links aus einem Felsen heraus, über das die Göttin auf dem Löwen nach rechts sprengt. Die Inschrift lautet: INDVLGENTIA AVGG IN CARTH für Indulgentia Augustorum in Carthaginem (Die Güte der Kaiser für Carthago).

Tanit (TNT, auch Tannit, Thanit, Tinnit, lateinisch Caelestis) ist die punische Göttin der Fruchtbarkeit und Schutzgöttin von Karthago. Ihr Beiname ist „Klagende im Angesicht des Baals“. Sie war die weibliche Hauptgottheit Karthagos und löste in dieser Rolle Astarte ab. Sie gilt als Jungfrau, aber auch als Mutter des Baals. Als Spenderin der Fruchtbarkeit hat sie den Namen „Nutrix“ (Ernährerin). Sie erweckt den Fruchtbarkeitsgott Baal jedes Jahr zu neuem Leben. Ursprünglich eine niedere Erdgottheit, lösten Tanit und Baal-Hammon im 5. Jahrhundert v.Chr. Astarte und Melkart als Hauptgötter der Punier ab. Dido, die erste Königin von Karthago, soll bei Gründung der Stadt ihren Tempel gestiftet haben. Der Göttin Tanit sollen auch Kinder im Feuer geopfert worden sein. Nach neueren Erkenntnissen könnte dies jedoch auch römische Kriegspropaganda sein. Unter Steinstelen fanden sich tatsächlich Urnen mit verkohlten Kinder-Knochen, für viele Forscher ein Beweis für Kinderopfer.

Bei der Zerstörung Karthagos 146 v.Chr. soll das Bild und der Kult der Caelestis nach Rom überbracht worden sein. Nach der Eroberung Karthagos wurde die Schutzgöttin der Stadt, welche während des zweiten punischen Kriegs schon beschworen worden war, feierlich evociert und nach Rom überführt (Serv. Aen. XII 481. Macrob. III 9, 7). Evocatio, der Ausdruck „einen Gott herbeirufen“ ist vom 1. Jahrhundert v.Chr. bis zum 6. Jahrhundert belegt. Vornehmlich bezeichnete dieser Brauch die antike Praxis, die Schutzgottheit einer belagerten Stadt durch eine magische Beschwörung herauszulocken, um ihr eine neue Unterkunft in Rom anzubieten, und die belagerte Stadt damit sozusagen ihrer Existenzgrundlage zu berauben. Aus diesem Grund wurde der Name der Schutzgottheit der Stadt Rom sowie der tatsächliche, eigentliche Name dieser Stadt in der Antike geheim gehalten, um den Feinden die Verfluchung unmöglich zu machen. Als Taktik der psychologischen Kriegsführung untergrub die Evocatio das Selbstbewusstsein des Feindes, bedrohte die Heiligkeit seiner Stadtmauern (Pomerium) und andere Formen des göttlichen Schutzes. Gewöhnlich war die Evocatio jedoch nur eine Methode, die ansonsten frevlerische Plünderung sakraler Gegenstände zu legitimieren.

Nach einer im Jahr 1892 gefundenen und von Gatti erläuterten Inschrift hatte die Caelestis, die praestantissimum numen montis Tarpaei genannt wird, ein Heiligtum auf dem capitolinischen Hügel, bei der heutigen Kirche Ara Caeli, deren Name wohl von dem der Göttin abgeleitet ist. Dem Tempel waren besondere Privilegien zuteil (Ulp. Reg. XXII 6: Deos heredes instituere non possumus nisi …Caelestem Salinensem [Sidonensem? selenen? selinensem?] Carthagini), er soll von einem großzügigen heiligen Hain umgeben gewesen sein (Verg. Aen. I 441) und stand wohl noch um die Zeit des Augustus in voller Pracht. Erst im Jahr 399 n.Chr. wurde er zur Kirche umgebaut. Dennoch beklagte selbst noch Salvianus im 5. Jahrhundert über die Hartnäckigkeit, mit welcher sogar Christen an dem Dienst der Göttin festhielten.

Doch nicht nur in der Hauptstadt Rom, sondern auch in der Provinz Africa, in Numidien und bis nach Mauretanien zeigen die Inschriften die Ausdehnung ihres Kultes. Sie wurde zurecht als die Africanische Göttin betrachtet. Schon zu der Zeit der punischen Macht verbreitete sich der Dienst der Caelestis nach Melita und Spanien (Gibraltars, Gades), wahrscheinlich auch bis nach Sizilien. Selbst in Apulum (Dacien) taucht sie auf, wohin sie offenbar durch die afrikanischen Soldaten der stationierten Legio XIII Gemina übertragen worden war (Ioan Piso, zum Kultus der Dea Caelestis, Inschrift einer Marmorara).

Die semitischen Gottheiten haben nicht wie die griechischen eine scharf ausgeprägte Individualität. Ihr Charakter ist vielfältiger und unbestimmter. Je nachdem man die eine oder andere ihrer Eigenschaften hervorheben wollte, hat man sie verschiedenen abendländischen Göttern gleichgestellt, aber völlig entsprechen sie keinem. Deshalb wird die Tanit auf den Africanischen Inschriften gewöhnlich schlechthin Caelestis oder dea Caelestis genannt oder trägt allgemeine Beinamen wie augusta, sancta, magna oder numen praesens. In alter Zeit hatten die Römer die höchste Göttin der Karthager mit Iuno identifiziert (Iuno caelestis). In der Tat hatte die Regina caelorum mit der lateinischen Iuno regina manche Berührungspunkte. Später wurde die Iuno caelestis als Himmlische gedeutet, dessen Gestirne sie trägt, schickt sie auf die Erde wie das Gewitter so auch den segenspendenden Regen und gibt Menschen und Tieren das Leben. Wie Saturnus/Baal ist die Caelestis/Tanit in Africa eine Gottheit der Fruchtbarkeit und wird demnach der Venus gleichgestellt. In Syrien waren ursprünglich mit ihrem Dienst heilige Prostitutionen verbunden, was ihre Feste und Kulthandlungen nie ganz von Unzucht befreiten. Als befruchtende Göttin wurde die Caelestis auch den Erdgottheiten, in Italien der Bona Dea (Bona dea caelestis), in Africa selbst der Kybele angenähert. Beiden war der Löwe besonders gewidmet.

In schroffem Gegensatz zu dieser Auffassung stellte man sich diese Naturgöttin als eine Jungfrau vor. Dieser Zug, der die Caelestis im semitischen Pantheon besonders kennzeichnet, hängt wohl mit dem alten einheimischen Glauben zusammen. Die Libyer verehrten eine kriegerische Jungfrau, welche die Griechen mit Athena verglichen, und nach ihren einfachen Anschauungen war die Unverletzlichkeit mit der Jungfrauschaft verbunden (Herod. IV 180). Die Beschützerin Karthagos war auch eine Kriegsgöttin, welche man auf den Münzen mit der Lanze und dem Blitz darstellt. Sie wurde ebenfalls als virgo caelestis gepriesen, und man sprach sogar von ihr als einer Venus virgo. Passender wurde sie in dieser Hinsicht aber von den Römern Diana genannt. Diese Benennung verdiente sie auch, weil sie nach der in Africa wie in Phoinikien (siehe Astarte) sehr verbreiteten astronomischen Theologie eine Mondgöttin war, wie Baal ein Sonnengott (Herodian. V 6, 4. Cass. Dio LXXIX 12, vgl. CIL X 1598 lunas cum gemmis).

Über den Kult der Caelestis ist bis jetzt wenig bekannt. Von der Unzucht mancher Feste ist schon die Rede gewesen. Die an diesen Tagen stattfindenden Spiele gaben zu allerlei Ausschweifungen Anlass (Aug. civ. d. II 4). Orakel wurden in dem Tempel der Caelestis zu Karthago erteilt und gaben der weissagenden Göttin einen zuweilen bedeutenden politischen Einfluss. Mit dem Mantel (peplus) der Himmelskönigin ließen sich Thronbewerber ausschmücken. Von dem eigentlichen Dienst erfahren wir kaum etwas. Die Priesterschaft der Caelestis war ohne Zweifel zahlreich, aber wenige Titel sind überliefert. Neben den Männern, gehörten auch Frauen der Priesterschaft an. Der spätere Kaiser Marcus Aurelius Antoninus (genannt Elagabal) verkündete und feierte die „Heilige Hochzeit“ (hierós gámos) des Gottes Elagabal. Dieser sollte sich mit der karthagischen Urania (Dea Caelestis, Tinnit) vermählen. Die Hochzeit des Herrschers und Oberpriesters mit der Vestalin sollte die vollkommene göttliche Hochzeit auf der menschlichen Ebene abbilden. Aus dieser Verbindung erhoffte er gottähnliche Kinder. Dabei kollidierte der Kaiser mit der völlig anderen Auffassung der Römer von den Aufgaben der zu strengsten Keuschheit verpflichteten Vestalinnen.

Hintergrund:
Gegen 199 n.Chr. fanden mit Friedensverhandlungen die Feldzüge des Septimius Severus gegen die Parther ein siegreiches Ende. Daraufhin begab sich der Kaiser mit seinem Mitregenten und Sohn Caracalla und dem Rest der Familie nach Ägypten, um hier sowohl Aufstände niederzuschlagen als auch die Provinz Africa neu zu strukturieren und entsprechende Dekrete zu erlassen. Als Septimius Severus die Metropole Alexandria besuchen wollte, soll sich nachfolgende Anekdote zugetragen haben. Ein Tor der Stadt trug noch die alte Inschrift „Stadt des Herren Niger“ (Pescennius Niger war bis zu seinem Tod 194 n.Chr. ein Rivale im Kampf um den römischen Thron). Um den Unwillen des Severus zu dämpfen, legten die Alexandriner dies dahin aus, dass ihre Stadt Besitz des Herrn des Niger, also des Severus sei.

Während des Aufenthaltes erteilte Septimius Severus zahlreiche Erlässe, welche die afrikanische Provinz betrafen. Unter anderem die neue Abgrenzung der Provinz Numidien, deren Territorium zur bisherigen Provinz Africa gehörte. Als Ausgleich erhielten bedeutende Städte, wie Utica oder Karthago, besondere Großzügigkeiten oder Privilegien. Besonders Karthago soll vom Kaiser dabei großzügig bedacht worden sein. Die Stadt erhielt das sogenannte Ius Italicum. Als ein Kaiser afrikanischer Herkunft, verlieh Septimius Severus das Ius Italicum mehreren römischen Gemeinden in Africa. Die Auswirkungen davon waren, dass ihr Land, obwohl außerhalb der physischen Grenzen Roms, unter römisches Recht fallen würde. Dies bedeutete auch ein höheres Maß an Autonomie in ihren Beziehungen zu den Provinzgouverneuren. In der Stadt geborene Menschen erhielten automatisch das römische Bürgerrecht. Als römische Bürger wiederum konnten die Menschen Eigentum kaufen und verkaufen, waren von der Grundsteuer und der Kopfsteuer befreit und hatten Anspruch auf Schutz nach römischem Recht. Ius Italicum war die höchste Freiheit, die eine Gemeinde oder Provinz erlangen konnte, und wurde als sehr günstig angesehen.

Zudem soll Karthago das Recht erhalten haben ein jährliches Fest zu Ehren der Kaiser auszurichten und finanzielle Mittel zum Bau eines Odeons erhalten haben. Umstritten ist die Deutung der Rückseitendarstellung des Felsens und entspringenden Wassers. Dies könnte auf den kaiserlich finanzierten Bau eines neuen Aquädukts hinweisen oder zumindest auf eine Instandhaltung bzw. Restauration eines vorhandenen Aquädukts. Die Großzügigkeiten der beiden Kaiser müssen jedoch für die Stadtverantwortlichen überwältigend gewesen sein, denn Karthago nahm darauf den Beinamen „Septimiana“ an.

Die Übersetzung der Rückseitenlegende ist kein großes Geheimnis, preist sie doch die Großzügigkeit der beiden Kaiser Septimius Severus und Caracalla in der römischen Welt gegenüber Karthago. Versinnbildlicht wird dies durch die Abbildung der karthagischen Schutzgöttin, der Löwe ist eine bekannte Allegorie der Provinz Africa – inspiriert vielleicht durch die Darstellung der Statue, wie sie auch im Circus Maximus in Rom stand.

Anscheinend war es für den Kaiser ein besonderes Anliegen dies kundzutun, denn Septimius Severus ließ für sich und seinen Sohn und Mitregenten Caracalla zahlreiche Münztypen in Gold, Silber und Bronze mit dieser Darstellung und der Rückseitenlegende „INDVLGENTIA AVGG IN CARTH“ prägen. Die Ausgabe der Münzen soll gegen 203/204 n.Chr. nach der Rückkehr aus dem Osten des Reiches nach Rom erfolgt sein.

Quellen:
* Wikipedia: Septimius Severus
* Wikipedia: Caracalla
* Wikipedia: Tanit
* Wikisource: Caelestis
* Wikipedia: Evocatio
* Wikipedia: Ius Italicum
* Peter Robert Franke, Ilse Paar: die antiken Münzen der Sammlung Heynen
* Archäologisches Institut Göttingen: Porträttypen römischer Kaiser

Obverse:
You can see the right-facing bust of Septimius Severus with a laurel wreath. The inscription reads: SEVERVS PIVS AVG for Severus Pius Augustus.

After the assassination of Commodus‘ successor Pertinax in Rome on March 28, 193 AD Lucius Septimius Severus took advantage of the opportunity and settled between April 9th ​​and 15th, 193 AD proclaimed emperor and thus Augustus by the Pannonian troops in Carnuntum. The stationed Legio XIV gemina probably played a special role, since Severus had gold coins struck for this legion alone in honor of it. As already mentioned, the proclamation as emperor is said to have taken place between April 9th ​​and 15th. The latter date could have a superstitious or religious background. He is said to have waited the three days from his birthday (April 11) until the proclamation, believing in the auspicious effect of the number three.

Since the year 195 AD Septimius Severus called himself in the official title of the military diplomas, in the majority of the inscriptions and coins, in which he officially announced his adoption by Marcus Aurelius not out of mere vanity, but to introduce the divine worship of the imperial house in the state: imperatoris Caesaris divi Marcus Antonini Pii Sarmatici Germanici filius, divi Commodi frater, divi Antonini Pii nepos, divi Hadriani pronepos, divi Traiani Parthici abnepos, divi Nervae adnepos Lucius Septimius Severus Pius Pertinax Augustus. Before the year 195 AD the designations Pius and Pertinax are missing without exception in the title.

Early 194 AD Septimius Severus defeated his rival Pescennius Niger at Cyzicus, then decisively at Issus on March 31. He then lost his head and with it his life while fleeing to the Parthians. Now Severus could turn further east. In the year 195 AD (Before August 28th) the title of Emperor was accepted three times by the victories over Osroene, Arabia and Adiabene. The Roman Senate then awarded Severus the honorary names Adiabenicus, Arabicus and Parthicus, which can be found on numerous coins and inscriptions in various combinations, such as PART ARAB and PART ADIAB. The granting of the title Parthicus is strange, however, since Severus had not taken any action against the Parthians, and the only way to understand it is that the Adiabenians and Mesopotamian Arabs were vassals of the Parthians.

In the fall of 197 AD the emperor undertook his second campaign against the Parthians and Mesopotamia. Among other things, he conquered Babylon, Seleucia and Ctesiphon. However, with the siege of Hatra, Septimius Severus failed twice, so that later peace terms had to be negotiated. Due to the overall successful campaign, Septimius Severus took early 198 AD the nickname „Parthicus Maximus“, which was also embossed on coins with the title „PART MAX“. Only Traian had borne this title before him, whose military successes and greatness Septimius wanted to commemorate and thus propagate for himself.

As with his son Caracalla, the title Pius is found for the first time in 201 AD on the coins of Septimius Severus. Although the title Felix appears officially, for example on the famous triumphal arch of Septimius Severus, one looks in vain for it on coins. The emperor received one of his last honorary titles alongside Caracalla and his second son Geta in 210 AD by the successful campaigns in Britain against the Caledonians and Maatians. From this point in time until the end of coinage for Septimius Severus, the honorary title Britannicus can be found on some coins with the legend inscription BRIT.

Four types of portraits of Septimius Severus have survived. A clear program can be seen in the design of the first two, in contrast to the two following. The first type is up to the year 196 AD valid. Septimius Severus is shown here with a strong, stocky face, slight facial wrinkles and shorter hair and beard loosened up by drilling. In his appearance he can hardly be distinguished from the portrait related here to Clodius Albinus. Surely the resemblance was intentional and the message of the picture was the same. At the same time, the all too close adherence to the overly refined tradition of the Antonines, as advocated by Didius Julianus, was avoided.

But then, in the smoldering dispute with Clodius Albinus and the problems of legitimacy that went with it, Severus symbolically sought support in the Antonine imperial house. Since 195 AD he propagated his descent from the Antonines and his adoption into this imperial house. The hair and beard of this type are much more luxuriant and longer than before. The hair curves outwards at the temples in large curves, only a few small, short curls sit in the middle. All wrinkles are erased from the face. With the exception of the short curls in the middle of the forehead, the characteristic traits of the last type of Marc Aurel are repeated. The type change in the year 196/197 AD is shown on the coins. to observe.

A new type of portrait of the emperor, which was created only a few years later, is derived from the type of the year 196/197 AD developed, with one striking change. The short curls in the middle of the forehead are replaced by four long, hanging curls. These can be wavy, but they can also be real corkscrew curls. This type has been around since about 200 AD easily recognizable on coins. Scholars have long wanted to see the forelocks as an imitation of the forelocks of the Graeco-Egyptian god Sarapis. That is why the type is often referred to as the „Sarapis type“. Septimius is said to have met the god on a trip to Egypt around 200 AD especially appreciated, his son Caracalla later erected an elaborate temple for him in Rome. In the meantime, however, this assumption has been questioned with good reason and it has been suggested that the hairstyle be seen as a fashionable hairstyle that is also widespread elsewhere.

In a later type, based on the after 204 AD when the Arch of Honor for Septimius Severus to be dated appears in his native Leptis Magna, Septimius Severus has a longer but less voluminous beard and hair that is cropped very short and combed over his face in a tongue-like manner, lying close to his head. After the retarding recourse to the Antonine tradition, Severus seems to be approaching the long-popular short-haired fashion worn programmatically by his sons at the time.

Reverse:
You can see the goddess Dea Caelestis with elaborate headdress and long robe sitting on a lion. She holds a fulmen (lightning bundle) in her right hand and a short scepter in her left. Water pours out of a rock on the left, over which the goddess on the lion hops to the right. The inscription reads: INDVLGENTIA AVGG IN CARTH for Indulgentia Augustorum in Carthaginem (The Kindness of Emperors to Carthago).

Tanit (TNT, also Tannit, Thanit, Tinnit, Latin Caelestis) is the Punic goddess of fertility and patron goddess of Carthage. Her nickname is „Mourners in the Face of Baal“. She was the main female deity of Carthage and replaced Astarte in this role. She is considered a virgin, but also the mother of Baal. As a donor of fertility, she has the name „Nutrix“ (provider). Every year she awakens the fertility god Baal to new life. Originally a lesser earth deity, Tanit and Baal-Hammon dissolved them in the 5th century BC Astarte and Melkart as the main gods of the Punians. Dido, the first queen of Carthage, is said to have donated her temple when the city was founded. Children are also said to have been sacrificed in the fire to the goddess Tanit. According to recent findings, however, this could also be Roman war propaganda. Urns with charred children’s bones were actually found under stone steles, which many researchers believe is evidence of child sacrifice.

At the destruction of Carthage in 146 BC the image and the cult of Caelestis is said to have been brought to Rome. After the conquest of Carthage, the patron goddess of the city, who had already been invoked during the second Punic war, was solemnly evoked and transferred to Rome (Serv. Aen. XII 481. Macrob. III 9, 7). Evocatio, the expression „to summon a god“ is from the 1st century BC occupied until the 6th century. This custom primarily referred to the ancient practice of enticing the tutelary deity of a besieged city by means of a magical incantation in order to offer her new lodgings in Rome, thus robbing the besieged city of its livelihood, so to speak. For this reason, the name of the tutelary deity of the city of Rome, as well as the actual, actual name of this city, was kept secret in ancient times to make it impossible for enemies to curse it. As a psychological warfare tactic, evocation undermined the enemy’s self-confidence, threatened the sanctity of their city walls (pomerium) and other forms of divine protection. Usually, however, the evocatio was just a way to legitimize the otherwise sacrilegious looting of sacred objects.

According to an inscription found in 1892 and explained by Gatti, the Caelestis, called praestantissimum numen montis Tarpaei, had a sanctuary on the Capitoline hill, near the present church of Ara Caeli, whose name is probably derived from that of the goddess. The temple was granted special privileges (Ulp. Reg. XXII 6: Deos heredes instituere non possumus nisi … Caelestem Salinensem [Sidonensem? selenen? selinensem?] Carthagini), it is said to have been surrounded by a generous sacred grove (Cf. Aen. I 441) and was probably still in full splendor around the time of Augustus. Only in the year 399 AD was converted into a church. Nevertheless, even in the 5th century Salvianus lamented the stubbornness with which even Christians clung to the service of the goddess.

But not only in the capital Rome, but also in the province of Africa, in Numidia and as far as Mauritania, the inscriptions show the extent of their cult. She was rightly considered the African goddess. Already at the time of the Punic power, the service of the Caelestis spread to Melita and Spain (Gibraltars, Gades), probably also to Sicily. It even appears in Apulum (Dacia), where it had apparently been transferred by the African soldiers of the stationed Legio XIII Gemina (Ioan Piso, on the cult of Dea Caelestis, inscription on a marble macaw).

The Semitic deities do not have a sharply defined individuality like the Greeks. Her character is more diverse and indeterminate. Depending on whether one wanted to emphasize one or the other of their qualities, they were equated with various Western gods, but they do not correspond completely to any one. Therefore, on the African inscriptions, the Tanit is usually called simply Caelestis or dea Caelestis, or bears general epithets such as augusta, sancta, magna, or numen praesens. In ancient times the Romans had identified the supreme goddess of the Carthaginians with Iuno (Iuno caelestis). In fact, the Regina caelorum had some points of contact with the Latin Iuno regina. Later, the Iuno caelestis was interpreted as heavenly, whose stars it carries, sends it to earth like the thunderstorm as well as the blessing-giving rain and gives life to people and animals. Like Saturnus/Baal, Caelestis/Tanit in Africa is a deity of fertility and is therefore equated with Venus. In Syria, sacred prostitution was originally associated with their ministry, which never entirely freed their festivals and cult acts from fornication. As a fertilizing goddess, Caelestis was also related to the earth deities, in Italy to Bona Dea (Bona dea caelestis), in Africa even to Cybele. The lion was especially dedicated to both of them.

In stark contrast to this view, this nature goddess was imagined as a maiden. This trait, which particularly characterizes the Caelestis in the Semitic pantheon, is probably related to ancient native belief. The Libyans worshiped a warlike maiden, which the Greeks compared to Athena, and in their simple notions inviolability was associated with maidenhood (Herod. IV 180). The protector of Carthage was also a war goddess, who is depicted on the coins with the spear and the thunderbolt. She was also praised as a virgo caelestis, and even spoke of her as a Venus virgo. In this regard, she was more appropriately called Diana by the Romans. She also deserved this designation because, according to the astronomical theology that was very widespread in Africa and Phoenicia (see Astarte), she was a moon goddess, like Baal a sun god (Herodian. V 6, 4. Cass. Dio LXXIX 12, cf. CIL X 1598 lunas cum gemmis).

Little is known about the cult of Caelestis. The fornication of some festivals has already been mentioned. The games taking place on these days gave rise to all sorts of debauchery (Aug. civ. d. II 4). Oracles were bestowed in the Temple of Caelestis at Carthage, giving the prophesying goddess at times significant political influence. Candidates for the throne could be adorned with the cloak (peplus) of the queen of heaven. We hardly learn anything about the actual service. The priesthood of Caelestis was undoubtedly numerous, but few titles survive. In addition to men, women also belonged to the priesthood. The later emperor Marcus Aurelius Antoninus (called Elagabalus) proclaimed and celebrated the „Holy Marriage“ (hierós gámos) of the god Elagabalus. He was to marry the Carthaginian Urania (Dea Caelestis, Tinnit). The marriage of the ruler and high priest to the vestal virgin was intended to represent the perfect divine marriage on the human plane. From this union he hoped for godlike children. In doing so, the emperor collided with the completely different view of the Romans of the tasks of the Vestals, who were sworn to the strictest chastity.

Background:
Around 199 AD Septimius Severus‘ campaigns against the Parthians came to a victorious end with peace negotiations. The emperor then went to Egypt with his co-regent and son Caracalla and the rest of the family, both to put down uprisings and to restructure the province of Africa and to issue appropriate decrees. When Septimius Severus wanted to visit the metropolis of Alexandria, the following anecdote is said to have happened. A gate of the city still bore the old inscription „City of the Lord Niger“ (Pescennius Niger was a rival in the struggle for the Roman throne until his death in 194 AD). In order to quell Severus‘ anger, the Alexandrians interpreted this as meaning that their city was the property of the lord of Niger, that is, Severus.

During the stay, Septimius Severus issued numerous edicts affecting the African province. Among other things, the new demarcation of the province of Numidia, whose territory belonged to the previous province of Africa. As compensation, important cities such as Utica or Carthage received special generosity or privileges. Carthage in particular is said to have been generously considered by the emperor. The city received the so-called Ius Italicum. As an emperor of African descent, Septimius Severus bestowed the Ius Italicum on several Roman communities in Africa. The implications of this were that their lands, although outside Rome’s physical borders, would fall under Roman law. This also meant a greater degree of autonomy in their relations with the provincial governors. People born in the city automatically received Roman citizenship. As Roman citizens, in turn, people could buy and sell property, were exempt from property tax and poll tax, and were entitled to protection under Roman law. Ius Italicum was the highest liberty a municipality or province could attain, and was considered very favourable.

In addition, Carthage is said to have received the right to hold an annual festival in honor of the emperors and received financial means to build an odeon. The interpretation of the reverse depiction of the rock and the springing water is disputed. This could indicate the imperially funded construction of a new aqueduct, or at least maintenance or restoration of an existing aqueduct. However, the generosity of the two emperors must have been overwhelming for the city officials, because Carthage then adopted the nickname „Septimiana“.

The translation of the reverse legend is no great secret, praising the generosity of the two emperors Septimius Severus and Caracalla in the Roman world towards Carthage. This is symbolized by the depiction of the Carthaginian tutelary goddess, the lion is a well-known allegory of the province of Africa – perhaps inspired by the depiction of the statue as it stood in the Circus Maximus in Rome.

Apparently it was a special concern for the emperor to announce this, because Septimius Severus had numerous coin types in gold, silver and bronze minted for himself and his son and co-ruler Caracalla with this depiction and the reverse legend „INDVLGENTIA AVGG IN CARTH“. The coins are said to have been issued around 203/204 AD after returning to Rome from the east of the empire.

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