Publius Septimius Geta 197 bis 211 n.Chr.

Silber Denar Rom Publius Septimius Geta 211 n.Chr.

Münze:
Denar der römischen Kaiserzeit 211 n.Chr.
Material: Silber
Durchmesser: 20mm
Gewicht: 2,38g
Münzstätte: Rom
Provenienz: Emporium Numismatik, Hamburg
Referenz: RIC IV Geta 75

Avers:
Zu sehen ist die nach rechts gerichtete Büste des Geta mit Lorbeerkranz. Die Inschrift lautet: P SEPT GETA PIVS AVG BRIT für Publius Septimius Geta Pius Augustus Britannicus.

Vielleicht schon Mitte 195 n.Chr. (spätestens 196 n.Chr.) wurde Getas Bruder Caracalla der Titel Caesar verliehen, womit er zum künftigen Kaiser designiert wurde. Eine entsprechende Rangerhöhung Getas blieb zunächst aus. Im Jahr 197 n.Chr. (spätestens 198 n.Chr.) erhielt Geta die Titel Caesar und Princeps iuventutis. Wohl gleichzeitig wurde Caracalla zum Augustus, das heißt zum nominellen Mitregenten des Vaters und dem amtierenden Kaisers Septimius Severus erhoben. Damit wurde wiederum Caracallas Vorrang festgeschrieben. Im Jahr 199 n.Chr. bekam Geta dann Amt und Titel des Pontifex verliehen. Im Jahr 209 n.Chr. erhielt Geta die Würde eines Augustus, womit seine bisherige rangmäßige Benachteiligung gegenüber seinem Bruder endete. Nach dem erfolgreichen Britannien Feldzug 210 n.Chr. nahmen sowohl Septimius Severus, als auch Caracalla und Geta den Siegernamen Britannicus maximus an.

Da Geta 10 Jahre lang als Prinz und Caesar am kaiserlichen Hof lebte, überwiegen die Portraitdarstellungen, die ihn als Jüngling zeigen. Etwa um das Jahr 204 n.Chr. wurden für Caracalla und Geta neue Bildnistypen geschaffen. Beide trugen nun das kurzgeschorene Haar, das in der Folge im 3. Jahrhundert n.Chr. zur führenden Frisurenmode wurde. Merkwürdigerweise sind die Typen der beiden Brüder einander so ähnlich, dass man sie nicht zuverlässig auseinanderhalten kann. Die Prägungen für Geta ähneln in Schnitt und Ausführungen daher stark den Münzen des Caracalla. Für beide gab es verschiedene Neuauflagen, die das Älterwerden durch zunehmenden Bartwuchs anzeigten.

Doch in den letzten Lebensmonaten des Geta vollzog sich im Porträtbild ein radikaler Wechsel. Er versuchte sich immer mehr optisch von seinem Bruder zu differenzieren und propagandierte damit auch ein politisches Statement. Die Münzbilder ähneln nun in der letzten Phase immer mehr dem Bildnis seines verstorbenen Vaters Septimius Severus. Ahnte Geta schon die Terrorherrschaft seines Bruders kommen und wollte sich als Alternative zur vorherigen Regierungszeit des Septimius Severus anbieten?

Revers:
Zu sehen ist die Schicksalsgöttin Fortuna Redux nach links sitzend mit ihren Attributen Steuerruder, Rad und Cornucopia (Füllhorn). Die Inschrift lautet: FORT RED TR P III COS II für Fortuna Redux Tribunitia Potestas (zum dritten Male) Consul (zum zweiten Male).

Fortuna Redux war im römischen Reich eine Form der Göttin Fortuna, welche eine sichere Rückkehr beaufsichtigte, wie zum Beispiel von einer langen oder gefährlichen Reise. Ihre Attribute waren Fortunas typisches Füllhorn, wobei ihre spezifische Funktion durch ein Ruder oder Steuerruder, manchmal in Verbindung mit einem Globus, dargestellt wird. Der Kult von Fortuna Redux wurde 19 v.Chr. in die römische Religion eingeführt und schuf am 12. Oktober einen neuen Feiertag, welcher ursprünglich die Rückkehr von Augustus aus Kleinasien nach Rom im Jahr 19 v.Chr. markierte. Von dieser Zeit an erhielt Fortuna Redux jährliche Opfer von den Pontifices und Vestalinnen an einem ihr gewidmeten Altar (Ara Fortunae Reducis). Nach dem Tod des Augustus war der Feiertag als Augustalia bekannt und eine wichtige Institution religiöser Feierlichkeiten, die den kaiserlichen Kult betrafen.

Der Altar von Fortuna Redux befand sich wahrscheinlich neben dem Tempel des Honos und Virtus (Aedes Honoris et Virtutis) in der Nähe der Porta Capena. Der Altar ist auf mehreren Münzen abgebildet und scheint „relativ bescheiden“ gewesen zu sein. Domitian baute im Jahr 93 n.Chr. einen Tempel für die Göttin nach seiner triumphalen Rückkehr aus dem Krieg in Germanien. Der Tempel stand höchstwahrscheinlich am Hang des Kapitolinischen Hügels mit Blick auf die Porta Triumphalis. Er wurde auf einem Relief identifiziert, die eine Ankunftszeremonie auf dem Marc-Aurel-Bogen darstellt. Münzen zeigen an, dass im Tempel eine Kultstatue der Fortuna Redux mit ihren Attributen Ruder und Füllhorn stand.

Die Tribunizische Gewalt (lateinisch tribunicia potestas) bezeichnet die Amts- und Gewaltbefugnisse der Volkstribunen im antiken Rom. Im Zuge der Gründung des Prinzipats durch den ersten römischen Kaiser Augustus kam es zu einer Trennung von Amt und Amtsgewalt des Volkstribunen. Die Verleihung der tribunicia potestas an Augustus ist aufgrund der Quellenlage unklar und umstritten. Im Jahr 36 v.Chr. erhielt er die tribunizische Gewalt, so die sacrosanctitas, das ius subselli und das ius auxilii. Im Jahr 30 v.Chr. wurde letzteres über das Stadtgebiet Roms bis zum ersten Meilenstein ausgeweitet. Ab dem Jahr 23 v.Chr. konnte der princeps über die tribunicia potestas annua et perpetua verfügen und damit im gesamten Reichsgebiet des römischen Imperiums ständig ausüben. Seitdem war die Amtsgewalt der Tribunen Bestandteil der kaiserlichen Macht, was sich auch an der Zählung der Kaiserjahre nach der tribunicia potestas zeigte. Das Amt selbst und den Titel übernahm der Patrizier Augustus nicht, desgleichen seine Nachfolger. Der princeps genoss mithin die Rechte des Volkstribuns, ohne auch den Pflichten und Beschränkungen des Amtes unterworfen zu sein.

Auch für Augustus Nachfolger gehörte die tribunicia potestas fortan über Jahrhunderte zum Kernbereich ihrer kaiserlichen Macht. Die tribunizische Amtsgewalt stattete sie formal mit den Mitteln aus, die römische Innenpolitik scheinbar im Einklang mit den Gesetzen zu kontrollieren. Um die Fiktion der Annuität zu wahren, wurde die Vollmacht jährlich (allerdings automatisch) erneuert – oft wie beim regulären Tribunat am 10. Dezember, so dass man die Angaben TRI POT, TR P o. ä. auf Münzen und in Inschriften zur Datierung verwenden kann. Im Laufe des 4. Jahrhunderts hörten die Kaiser auf, sich auf die tribunicia potestas zu beziehen, da generell die Anknüpfung an Regeln der alten res publica in der Spätantike stark an Bedeutung verloren hatte.

Hintergrund:
In den letzten Jahren seiner Herrschaft unternahm Septimius Severus mehrere Feldzüge zum Erhalt des römischen Machtanspruches in Britannien. Zudem sollten seine Söhne und designierten Nachfolger durch militärische Erfolge die Treue der Truppen erwerben. Im Jahr 208 n.Chr. reiste der bereits schwer von Gicht geplagte Kaiser zusammen mit seinen Söhnen Caracalla und Geta, die angeblich seit ihrer Jugend unerbittlich verfeindet waren, nach Britannien. Geta erhielt 209 n.Chr. die zivile Kontrolle über die Provinz, Caracalla den Oberbefehl über das Heer. Das römische Heer stieß von Eboracum weit nach Norden vor und scheint einen blutigen Feldzug geführt zu haben. Der Kaiser befahl zur Grenzsicherung die Renovierung des Hadrianswalls. Schließlich starb Septimius Severus am 4. Februar 211 n.Chr. in Eboracum.

Nach dem Tod des Severus traten seine Söhne wie vorgesehen gemeinsam die Herrschaft an, wobei allerdings der Titel des Pontifex Maximus Caracalla vorbehalten blieb. Geta blieb lediglich Pontifex. Obwohl Caracalla damit erneut einen gewissen Vorrang beanspruchen konnte, scheint dieser nicht eindeutig genug gewesen zu sein, um die Machtverhältnisse zu klären. Da Geta aber bei den Soldaten beliebt war, wagte es Caracalla vorerst nicht, offen gegen ihn vorzugehen. Die beiden Kaiser schlossen mit den Kaledoniern und Mäaten Frieden und kehrten mit getrenntem Hofstaat nach Rom zurück.

Auf diesen Wunsch einer glücklichen Rückreise bezieht sich dieser für Geta geprägte Denar mit der Schicksalsgöttin Fortuna Redux auf der Rückseite. Die Göttin sitzt immer nach links gerichtet, als Symbol der Heimkehr. Als Attribute sind das Steuerruder (direkte schnelle Heimkehr), das Rad (die Reise) und das Füllhorn (voller Glückwünsche) beigegeben. Dieser Denartyp gehört zu den letzteren Ausgaben für Geta. Zu erkennen im Porträt ist auch die deutliche Annäherung zu seinem Vater Septimius Severus und der erkennbaren Abgrenzung zu den Porträts seines Bruders.

Nicht mit letzter Sicherheit, kann der exakte Prägezeitpunkt dieses Denars bestimmt werden. Laut Cassius Dio bereitete Septimius Severus einen erneuten Angriff gegen die Kaledonier und Mäaten in Schottland vor, als seine Krankheit ihn jedoch am 4. Februar 211 n.Chr. aus dem Leben nahm. Zu Beginn des Jahres wurden in Rom jedoch für Septimius Severus, Caracalla und auch Geta Münzen mit den Legendeninschriften „ADVENTVS AVGVSTI“ und „FORT RED“ geprägt. Dies könnte bedeuten, dass sich Septimius Severus vor seinem Tod aufgrund seines sich verschlechternden Gesundheitszustandes gezwungen sah nicht nur den Schottlandfeldzug abzubrechen, sondern auch Vorbereitungen für seine Rückkehr nach Rom zu treffen. Die erwähnten Münztypen müssten daher nach Bekanntwerden des neuen Plans, mit der Heimreise in die römische Hauptstadt, geprägt worden sein – als Septimius Severus noch lebte und Britannien noch nicht verlassen hatte.

Quellen:
* Wikipedia: Geta
* Wikipedia: Pontifex
* Wikipedia: Fortuna Redux
* Wikipedia: Tribunizische Gewalt
* Peter Robert Franke, Ilse Paar: die antiken Münzen der Sammlung Heynen
* Archäologisches Institut Göttingen: Porträttypen römischer Kaiser

Obverse:
You can see the right-facing bust of Geta with a laurel wreath. The inscription reads: P SEPT GETA PIVS AVG BRIT for Publius Septimius Geta Pius Augustus Britannicus.

Perhaps already in the middle of 195 AD (at the latest in 196 AD) Geta’s brother Caracalla was given the title Caesar, which designated him as the future emperor. A corresponding elevation of Geta’s rank did not take place at first. In the year 197 AD (at the latest 198 AD) Geta received the titles Caesar and Princeps iuventutis. Probably at the same time Caracalla was elevated to Augustus, i.e. to the nominal co-ruler of his father and the reigning emperor Septimius Severus. This in turn established Caracalla’s primacy. Then in 199 AD Geta was given the office and title of pontifex. In 209 AD Geta received the dignity of Augustus, which ended his previous rank disadvantage compared to his brother. After the successful Britannia campaign in 210 AD, Septimius Severus, Caracalla and Geta all took the victorious name Britannicus maximus.

Since Geta lived for 10 years as a prince and Caesar at the imperial court, the portraits that show him as a youth predominate. Around the year 204 AD new types of portraits were created for Caracalla and Geta. Both now wore the short-cropped hair that subsequently became popular in the 3rd century AD became the leading hairstyle fashion. Oddly enough, the types of the two brothers are so similar that one cannot reliably tell them apart. The strikes for Geta are therefore very similar in cut and design to the coins of Caracalla. There were various new editions for both, which indicated aging through increasing beard growth.

However, in the last months of Geta’s life, a radical change took place in portraiture. He tried more and more to differentiate himself visually from his brother and thus also propagated a political statement. In the last phase, the coin images now resemble more and more the portrait of his deceased father Septimius Severus. Did Geta already suspect his brother’s reign of terror and wanted to offer himself as an alternative to the previous reign of Septimius Severus?

Reverse:
You can see the goddess of fate Fortuna Redux sitting to the left with her attributes rudder, wheel and cornucopia. The inscription reads: FORT RED TR P III COS II for Fortuna Redux Tribunitia Potestas (for the third time) Consul (for the second time).

Fortuna Redux was a form of the goddess Fortuna in the Roman Empire who oversaw a safe return, such as from a long or perilous journey. Her attributes were Fortuna’s typical cornucopia, her specific function being represented by a rudder, sometimes in conjunction with a globe. The cult of Fortuna Redux was founded in 19 BC introduced into the Roman religion and created a new holiday on October 12, which originally marked the return of Augustus to Rome from Asia Minor in 19 BC marked. From this time on, Fortuna Redux received annual sacrifices from the Pontifices and Vestals at an altar dedicated to her (Ara Fortunae Reducis). After the death of Augustus, the holiday was known as Augustalia and was an important institution of religious celebrations affecting imperial cult.

The altar of Fortuna Redux was probably next to the Temple of Honos and Virtus (Aedes Honoris et Virtutis), near the Porta Capena. The altar is depicted on several coins and appears to have been „relatively modest“. Domitian built in 93 AD a temple for the goddess after his triumphant return from the war in Germania. The temple most likely stood on the slope of the Capitoline Hill overlooking the Porta Triumphalis. He was identified on a relief depicting an arrival ceremony at the Arch of Marc Aurel. Coins indicate that in the temple stood a cult statue of Fortuna Redux with her attributes of oar and cornucopia.

The tribunician power (Latin tribunicia potestas) refers to the official and violent powers of the tribunes in ancient Rome. In the course of the founding of the principate by the first Roman emperor Augustus, the office and official powers of the tribune were separated. The award of the tribunicia potestas to Augustus is unclear and controversial due to the sources. In the year 36 BC he received the tribunician power, so the sacrosanctitas, the ius subselli and the ius auxilii. In the year 30 BC the latter was extended over the urban area of ​​Rome to the first milestone. From the year 23 BC the princeps could dispose of the tribunicia potestas annua et perpetua and thus constantly exercise it throughout the entire territory of the Roman Empire. Since then, the official power of the tribunes was part of the imperial power, which was also reflected in the counting of the imperial years after the tribunicia potestas. The patrician Augustus did not take over the office itself and the title, neither did his successors. The princeps thus enjoyed the rights of the tribune of the people without being subject to the duties and restrictions of the office.

For the successors of Augustus, too, the tribunicia potestas was part of the core of their imperial power for centuries to come. The tribunician authority formally endowed them with the means to control Roman domestic politics, seemingly in accordance with the law. In order to preserve the fiction of the annuity, the power of attorney was renewed annually (albeit automatically) – often as with the regular tribunate on December 10th, so that the indications TRI POT, TR P or similar on coins and in inscriptions are used for dating can. In the course of the 4th century, the emperors ceased to refer to the tribunicia potestas, since in general the connection to the rules of the old res publica had lost much of its importance in late antiquity.

Background:
In the last years of his reign, Septimius Severus undertook several campaigns to preserve Roman power in Britain. In addition, his sons and designated successors should earn the loyalty of the troops through military successes. In the year 208 AD the emperor, already suffering from gout, traveled to Britain with his sons Caracalla and Geta, who were said to have been implacable enemies since their youth. Geta received 209 AD civilian control of the province, Caracalla supreme command of the army. The Roman army advanced far north from Eboracum and appears to have waged a bloody campaign. The Emperor ordered the renovation of Hadrian’s Wall to secure the border. Finally, Septimius Severus died on February 4, 211 AD in Eboracum.

After the death of Severus, his sons ruled jointly as intended, although the title of Pontifex Maximus remained reserved for Caracalla. Geta remained merely a pontiff. Although Caracalla could thus again claim a certain precedence, this does not seem to have been clear enough to clarify the balance of power. However, since Geta was popular with the soldiers, Caracalla did not dare to openly take action against him at first. The two emperors made peace with the Caledonians and Maeats and returned to Rome with separate courts.

This denarius minted for Geta with the goddess of fate Fortuna Redux on the reverse refers to this wish for a happy return journey. The goddess always sits facing left, as a symbol of homecoming. Attributes include the rudder (immediate return home), the wheel (the journey) and the cornucopia (full of good wishes). This type of denarius belongs to the latter issues for Geta. The portrait also shows the clear rapprochement with his father Septimius Severus and the recognizable demarcation from the portraits of his brother.

The exact minting date of this denarius cannot be determined with absolute certainty. According to Cassius Dio, Septimius Severus was preparing to attack again against the Caledonians and Maeats in Scotland, but when his illness struck him on February 4, 211 AD took out of life. At the beginning of the year, however, coins with the legend inscriptions „ADVENTVS AVGVSTI“ and „FORT RED“ were minted in Rome for Septimius Severus, Caracalla and also Geta. This may mean that before his death Septimius Severus was forced not only to abandon the Scottish campaign but also to make preparations for his return to Rome due to his deteriorating health. The coin types mentioned must therefore have been minted after the new plan, with the return journey to the Roman capital, became known – when Septimius Severus was still alive and had not yet left Britain.

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