Marcus Aurelius Severus Alexander 222 bis 235 n.Chr.

AE Sesterz Rom Marcus Aurelius Severus Alexander 222/231 n.Chr.

Münze:
Sesterz der römischen Kaiserzeit 222/231 n.Chr.
Material: AE
Durchmesser: 30mm
Gewicht: 22,56g
Münzstätte: Rom
Provenienz: Private Sammlung, Deutschland, Mosel Altfundstück mit echter Flusspatina
Referenz: RIC IV Severus Alexander 627

Avers:
Zu sehen ist die nach rechts gerichtete drapierte Büste des Severus Alexander mit Lorbeerkranz. Die Inschrift lautet: IMP SEV ALEXANDER AVG für Imperator Severus Alexander Augustus.

Sein ursprünglicher Name war Bassianus Alexianus. Ab Juni 221 n.Chr. nannte er sich Marcus Aurelius Alexander, als Kaiser trug er den Namen Marcus Aurelius Severus Alexander. Meuternde Soldaten, die von seiner Mutter Iulia Mamaea gesteuert wurden, ermordeten Elagabal am 11. März 222 n.Chr. Der dreizehnjährige Alexander übernahm problemlos die Kaiserwürde. Am 13. März wurde er vom Heer zum Kaiser ausgerufen, am folgenden Tag verlieh ihm der Senat den Titel Augustus. Als Grundlage seiner Zugehörigkeit zum Kaisergeschlecht der Aurelier betrachtete er fortan nicht mehr die Adoption durch Elagabal, sondern seine fiktive Abstammung von Caracalla. Auf Inschriften wurde er als Sohn des „göttlichen Antoninus“ (Caracalla) bezeichnet. Außerdem nahm er den an Septimius Severus erinnernden Namen Severus an.

Die Porträts des Alexander Severus sind vergleichsweise zahlreich überliefert. Sie gehören alle einem Grundtypus an. Für ihn typisch sind ein jugendliches Gesicht ohne Mimik und eine Kurzhaarfrisur aus feinen „Federchen“ (sogenannte a-penna-Technik), die bei den handwerklich anspruchsvollen Exemplaren immer in derselben Form „gekämmt“ ist. Die Federchen teilen sich an der linken Stirnecke, werden an der linken Schläfe zurückgestrichen und laufen über der Stirnmitte mit konvexer Kontur zur rechten Seite. An der rechten Stirnecke machen sie einen kleinen Gegenschwung, biegen nach vorn und werden in der unteren Schläfenzone nach hinten gestrichen. Auffallend sind bei allen Porträts die vollen, schön geschwungenen Lippen.

Die Proportionen der Köpfe variieren und zeichnen damit das Erwachenwerden des Kaisers vom 13jährigen Knaben bis zum 26jährigen jungen Mann nach. Entsprechend nimmt der Bartwuchs zu. Das kindliche Porträt auf einer Togabüste in Rom (Kapitolinische Museen) stellt die früheste Version dar. Der Kopf in Berlin ist deutlich größer und gibt den Heranwachsenden mit einem Bartanflug auf der Oberlippe wieder. Der leicht überlebensgroße Kopf in Paris zeigt den jungen Erwachsenen mit einem Bart, der ganz um das Kinn herumläuft, sowie mit einem Bärtchen auf der Oberlippe. Die Kinderporträts wurden zuweilen auf den 20 Jahre später lebenden Sohn des Philippus Arabs, Philippus Minor bezogen. Doch die feinen Divergenzen in den Physiognomien und die stilistischen Unterschiede in der Haarwiedergabe − die für die zwanziger Jahre typischen „Federchen“ bei Alexander Severus und die einfache Pickung des Haares bei Philipus Minor − bestätigen die Deutung der Kinderbildnisse vom Typus Kapitol als solche des Alexander Severus. Ob dieser Typus anlässlich der Adoption des Alexander Severus durch Elegabal (221 n.Chr.) oder anlässlich seines Regierungsantritts (222 n.Chr.) geschaffen wurde, lässt sich nicht entscheiden.

Lange galten die glatten wohlgeformten Züge des Alexander Severus als klassizistisch und die wirklichkeitsnahen der Soldatenkaiser als realistisch. Deshalb sah man im 3. Jahrhundert n.Chr. unterschiedliche Stilrichtungen mit divergierenden inhaltlichen Hintergründen am Werke. Doch sind die Bildnisse des Alexander Severus einfach solche eines jungen Kaisers. Die zahlreichen Thronfolgerbildnisse der Folgezeit wurden durchaus ähnlich stilisiert. Die Bildnisse junger Männer folgten ganz offensichtlich einem anderen Modell als die Bildnisse altgedienter Militärführer, aus deren Reihen die meisten Kaiser des 3. Jahrhunderts n.Chr. stammten. Ein Bronzekopf unbekannter Herkunft in Bochum gibt den Typus des Alexander Severus so vereinfacht wieder, dass man an der Benennung zweifeln könnte. Doch die deutliche Überlebensgröße spricht in dieser Zeit für ein Kaiserporträt. Die Spuren heftiger willentlicher Zerstörung, die dieses Porträt aufweist, sind sichtbarer Ausdruck von memoria damnata am Bildnis eines gewaltsam gestürzten Kaisers.

Die Münztypen unter Severus Alexander sind weitgehend konservativ. Der Kaiser selbst nannte sich gelegentlich auf Münzen „Restitutor Monetae“. Prägungen von Buntmetallmünzen erlebten eine kleine Renaissance, den unter Caracalla und anfänglich unter Elagabal geprägten Antoninian ließ er gar nicht mehr ausgeben. Auch sonst war Severus Alexander mit seiner Mutter Iulia Mamae reichlich bemüht nach den katastrophalen Jahren unter Elagabal, wieder so etwas wie eine römisch traditionelle Rückbesinnung und dadurch eine Beruhigung der Stimmung beim römischen Volk und dem Adel herbeizuführen.

Revers:
Zu sehen ist Severus Alexander in Militärkleidung nach links stehend, seinen rechten Fuß auf einem Helm stützend. In der rechten Hand hält er einen Globus, mit der linken Hand stützt er sich an einen umgekehrten zum Boden gerichteten Speer. Die Inschrift lautet: VIRTVS AVGVSTI S C für Virtus Augusti (Plural) – durch Dekret des Senates (Senatus Consulto).

Virtus ist die römische Personifizierung der Tapferkeit und Mut. Sie wurde meistens mit Speer, Schwert und Globus dargestellt und stand mit rechtem Fuß auf einem Helm. 

Die Verehrung der Virtus ist eng mit Honos, dem Gott der Ehre verbunden. Meist wurden beide Gottheiten gemeinsam verehrt, was – wie Valerius Maximus in seinen Facta et dicta memorabilia berichtet – im Jahre 210 v.Chr. zu einem Einspruch des Pontifikalkollegiums gegen die Pläne des Marcus Claudius Marcellus führte, einen gemeinsamen Tempel für beide zu errichten. Man werde, so die Priester, wenn in diesem Tempel sich ein Wunder vollziehen sollte, nicht entscheiden können, welchem der beiden Götter nun ein Opfer gebracht werden müsse. Marcellus gelobte daher während seines Konsulates im Jahre 222 v.Chr. einen eigenen Tempel für Virtus errichten zu lassen, der schließlich 205 v.Chr. eingeweiht wurde. Er war baulich verbunden mit einem bereits früher errichteten Tempel des Honos an der Porta Capena, in den man nur durch den Virtus-Tempel gelangen konnte. Finanziert wurde der Tempel mit der Beute aus der Eroberung von Syrakus. Ein weiterer Tempel für Honos und Virtus wurde vor der Porta Collina von Scipio Aemilianus nach dessen Eroberung Numantias im Jahr 133 v.Chr. erbaut, ein dritter von Gaius Marius mit der Beute aus dem Sieg über die Kimbern; er stand am Ort des späteren Titusbogens.

Nach einer Reorganisation der Verehrung durch Augustus verlor der Kult der dea Virtus in der Kaiserzeit allmählich an Bedeutung, wurde aber stets für soldatische Tapferkeit im traditionell-römischen Sinn aufrecht gehalten. Noch im 4. Jahrhundert wurden ihr zu Ehren Spiele veranstaltet. In Rom gab es eine goldene Statue von ihr, die von Alaric, dem König der Goten, nach der Eroberung von Rom 410 n.Chr. eingeschmolzen wurde.

Hintergrund:
Auch nach Erreichung des Mannesalters blieb Severus Alexander in hohem Maße unter dem Einfluss seiner Mutter Iulia Mamaea. Die Machtbasis des Kaisers und seiner Mutter war sehr schmal und ihre Herrschaft stets prekär. Ihre Schwäche wurde auf drastische Weise augenfällig, als der Günstling Ulpian einen tödlichen Machtkampf verlor. Ulpian, ein bedeutender Jurist, dem Mamaea das Oberkommando über die Prätorianer anvertraut hatte, musste bei einer Prätorianermeuterei in den Kaiserpalast flüchten. Doch nicht einmal dort konnte ihn Mamaea und Alexander am Ende schützen. In ihrer Anwesenheit wurde er von den Prätorianern erschlagen.

Alexander sah sich zu großen Feldzügen gezwungen. Erst musste er 232 n.Chr. im Osten einen gefährlichen Angriff des persischen Königs Ardaschir I. abwehren, dann in der zweiten Jahreshälfte 234 oder Anfang 235 n.Chr. an die Rheingrenze eilen, um einen Germaneneinfall zurückzuschlagen. 

Iulia Mamaea war stets dabei und spielte wie immer eine maßgebliche Rolle. Allerdings machte sie nach außen auch keinen Hehl über ihren maßgeblichen Einfluss auf den jungen Kaiser. Diese Art Regierung konnte aber nur in Friedenszeiten funktionieren. Im Krieg respektierte das Heer den unselbständigen Kaiser nicht, und seine Mutter hatte als Frau an der Front keine Autorität. Da Alexander keine Nachkommen hatte und die Nachfolge nicht geregelt war, war für tüchtige und beliebte Kommandeure die Versuchung zum Aufstand oder Staatsstreich groß.

In diesem historischen Kontext ist die Rückseite dieser Sesterz Prägung zu sehen. Dargestellt ist der junge Kaiser als Feldherr, die Personifikation der Virtus steht für Tapferkeit und Mut im militärischen Sinne, der Globus für das römische Imperium. Beachtenswert ist die Inschrift Virtus Augusti – die Attribute werden nicht allein auf den Kaiser, sondern auch die Kaisermutter und Augusta Iulia Mamaea beansprucht.

Die Betonung der militärischen Stärke und Fähigkeiten scheint während der Regierungszeit des Severus Alexander ein wichtiges und dringliches Thema gewesen zu sein. Im RIC Verzeichnis werden rund 27 verschiedene Prägungen allein mit der Personifikation der Virtus aufgelistet – andere Münztypen mit militärischem Bezug nicht mit eingerechnet. 

Quellen:
* Wikipedia: Severus Alexander
* Wikipedia: Iulia Mamaea
* Wikipedia: Virtus
* Archäologisches Institut Göttingen: Porträttypen römischer Kaiser

Obverse:
You can see the draped bust of Severus Alexander facing right, wearing a laurel wreath. The inscription reads: IMP SEV ALEXANDER AVG for Imperator Severus Alexander Augustus.

Its original name was Bassianus Alexianus. From June 221 AD he called himself Marcus Aurelius Alexander, and as emperor he bore the name Marcus Aurelius Severus Alexander. Mutinous soldiers, piloted by his mother Iulia Mamaea, murdered Elagabalus on March 11, 222 AD. Thirteen-year-old Alexander easily assumed the imperial dignity. On March 13, he was proclaimed emperor by the army, and the following day the Senate bestowed the title of Augustus on him. From then on, he no longer considered the adoption by Elagabalus to be the basis of his affiliation with the imperial family of the Aurelier, but his fictitious descent from Caracalla. On inscriptions he was referred to as the son of the „divine Antoninus“ (Caracalla). He also took the name Severus, reminiscent of Septimius Severus.

The portraits of Alexander Severus are comparatively numerous. They all belong to one basic type. A youthful face without facial expressions and a short hairstyle made of fine „feathers“ (so-called a-penna technique), which is always „combed“ in the same form in the technically demanding specimens, are typical of him. The feathers divide at the left corner of the forehead, are brushed back at the left temple and run across the middle of the forehead with a convex contour to the right side. At the right corner of the forehead they make a small counter swing, bend forward and are stroked backwards in the lower temple zone. The full, beautifully curved lips are striking in all the portraits.

The proportions of the heads vary and thus depict the emperor’s awakening from a 13-year-old boy to a 26-year-old young man. The beard growth increases accordingly. The childlike portrait on a toga bust in Rome (Capitoline Museums) represents the earliest version. The head in Berlin is significantly larger and shows the adolescent with a touch of beard on the upper lip. The slightly larger-than-life head in Paris shows the young adult with a beard that runs all the way around the chin and a little beard on the upper lip. The children’s portraits were sometimes related to Philippus Arab’s son, Philippus Minor, who lived 20 years later. However, the subtle divergences in the physiognomies and the stylistic differences in the rendering of the hair – the „little feathers“ typical of the twenties in Alexander Severus and the simple plucking of the hair in Philipus Minor – confirm the interpretation of the Capitol-type children’s portraits as those of Alexander Severus . Whether this type was created on the occasion of the adoption of Alexander Severus by Elegabalus (221 AD) or on the occasion of his accession to power (222 AD) cannot be determined.

For a long time, the smooth, well-formed features of Alexander Severus were considered classicistic and the realistic ones of the soldier emperors were considered realistic. Therefore one saw in the 3rd century AD different styles with diverging content backgrounds at work. But the portraits of Alexander Severus are simply those of a young emperor. The numerous portraits of heirs to the throne that followed were stylized in a similar way. The portraits of young men evidently followed a different model from the portraits of veteran military leaders, from whom most emperors of the third century AD were drawn. came from. A bronze head of unknown origin in Bochum reproduces the type of Alexander Severus in such a simplified way that one could doubt the naming. But the clear larger than life size speaks for an imperial portrait at this time. The traces of violent deliberate destruction that this portrait shows are visible expressions of memoria damnata in the portrait of a violently overthrown emperor.

The coin types under Severus Alexander are largely conservative. The emperor himself occasionally called himself „Restitutor Monetae“ on coins. Minting of non-ferrous metal coins experienced a small renaissance, the Antoninianus minted under Caracalla and initially under Elagabalus was no longer issued. After the catastrophic years under Elagabalus, Severus Alexander and his mother Iulia Mamae made every effort to bring about something resembling a traditional Roman return, thereby calming the mood of the Roman people and the nobility.

Reverse:
Severus Alexander, in military dress, is shown standing left, resting his right foot on a helmet. In his right hand he holds a globe, with his left hand he leans on an inverted spear pointing to the ground. The inscription reads: VIRTVS AVGVSTI S C for Virtus Augusti (plural) – by Decree of the Senate (Senatus Consulto).

Virtus is the Roman personification of bravery and courage. She was usually depicted with a spear, sword and globe, and standing on a helmet with her right foot.

The worship of Virtus is closely linked to Honos, the god of honor. Usually both deities were worshiped together, which – as Valerius Maximus reports in his Facta et dicta memorabilia – in 210 BC led to an objection by the pontifical college against the plans of Marcus Claudius Marcellus to build a common temple for both. According to the priests, if a miracle were to take place in this temple, it would not be possible to decide which of the two gods would have to be sacrificed. Marcellus therefore vowed during his consulship in 222 BC to build a separate temple for Virtus, which finally 205 BC was inaugurated. It was structurally connected to an earlier temple of Honos at the Porta Capena, which could only be reached through the Virtus Temple. The temple was financed with the booty from the conquest of Syracuse. Another temple to Honos and Virtus was built in front of the Porta Collina by Scipio Aemilianus after his conquest of Numantia in 133 BC built, a third by Gaius Marius with the spoils of the victory over the Cimbri; it stood on the site of the later Arch of Titus.

After a reorganization of the worship by Augustus, the cult of dea Virtus gradually lost its importance in the imperial period, but was always maintained for bravery in the traditional Roman sense. Games were held in her honor as late as the 4th century. There was a golden statue of her in Rome, taken by Alaric, king of the Goths, after the conquest of Rome in 410 AD was melted down.

Backgorund:
Even after attaining manhood, Severus Alexander remained highly influenced by his mother, Iulia Mamaea. The power base of the emperor and his mother was very narrow and their rule was always precarious. Their weakness was drastically exposed when the minion Ulpian lost a deadly power struggle. Ulpian, an important jurist to whom Mamaea had entrusted supreme command of the Praetorians, had to flee to the imperial palace during a Praetorian mutiny. But even there, Mamaea and Alexander couldn’t protect him in the end. In their presence he was slain by the Praetorians.

Alexander felt compelled to embark on major campaigns. First he had to 232 AD fending off a dangerous attack by the Persian king Ardashir I in the east, then in the second half of 234 or early 235 AD rush to the Rhine border to repel a German invasion.

Iulia Mamaea was always there and, as always, played a key role. However, she made no secret of her significant influence on the young emperor. But this type of government could only function in peacetime. During the war, the army did not respect the dependent emperor, and as a woman his mother had no authority at the front. Since Alexander had no descendants and the succession was not settled, the temptation to revolt or a coup d’etat was great for able and popular commanders.

The reverse of this sestertius can be seen in this historical context. The young emperor is shown as a general, the personification of Virtus stands for bravery and courage in the military sense, the globe for the Roman Empire. Noteworthy is the inscription Virtus Augusti – the attributes are claimed not only for the emperor, but also for the emperor’s mother and Augusta Iulia Mamaea.

The emphasis on military strength and capability seems to have been an important and pressing issue during the reign of Severus Alexander. In the RIC directory, around 27 different coinages are listed with the personification of Virtus alone – not counting other coin types with a military connection.

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