Marcus Aurelius Severus Antoninus Caracalla 211 bis 217 n.Chr.

Silber Denar Rom Marcus Aurelius Severus Antoninus Caracalla 206 n.Chr.

Münze:
Denar der römischen Kaiserzeit 206 n.Chr.
Material: Silber
Durchmesser: 20mm
Gewicht: 3,23g
Münzstätte: Rom
Provenienz: Künker Poinsignon Numismatique, Strassbourg
Referenz: RIC IV Caracalla 179

Avers:
Zu sehen ist die nach rechts gerichtete Büste des Caracalla mit Lorbeerkranz. Die Inschrift lautet: ANTONINVS PIVS AVG für Antoninus Pius Augustus.

Geboren als Lucius Septimius Bassianus, erhielt er von seinem Vater um das Jahr 195/196 n.Chr. den Namen Marcus Aurelius Antoninus. Damit wurde er in das Kaisergeschlecht der Antonine aufgenommen und als fiktiver Enkel des Marcus Aurelius ausgegeben. Zur gleichen Zeit wurde ihm der Titel Caesar verliehen, womit er zum künftigen Kaiser designiert wurde. Im Jahr 197, spätestens jedoch 198 n.Chr. wurde er zum Augustus erhoben und mit den kaiserlichen Vollmachten ausgestattet. 

Nach den erfolgreichen Feldzügen gegen die Parther, erhielt er gegen 199 n.Chr. den Ehrentitel „Parthicus maximus“, welcher dann ab 200 n.Chr. auch auf Münzen erscheint. Im Jahr 208 n.Chr. zog die gesamte Kaiserfamilie unter Septimius Severus nach Britannien, um militärisch gegen die Kaledonier und Mäaten weit im Norden Schottlands vorzugehen. Nach dem siegreichen Feldzug führte Caracalla ab 210 n.Chr. den Siegernamen „Britannicus maximus“, den auch sein Vater und sein Bruder annahmen.

Den Siegernamen „Germanicus maximus“ führte Caracalla seit 208 oder 213 n.Chr. Laut einer Publikation von Dr. Werner Robl, kam es bereits auf dem Weg nach Britannien im Jahr 208 n.Chr. zu einer Expedition nach Germanien. Um die sich gegenseitig verhassten Brüder Caracalla und Geta zu trennen, soll Iulia Domna ihren Sohn zur Visitationsreise an den obergermanischen und rätischen Limes geschickt haben. Es kam allerdings zu keinem Krieg, wohl aber die formale Unterwerfung des einen oder anderen Stammes unter die Herrschaft der Römer, was den jungen Caracalla zur Behauptung eines Sieges über die Germanen und zu jenem frühen Scheintitel „Germanicus maximus“ veranlasste. 

Eine zweite Erklärung bietet das Jahr 213 n.Chr. an. Im Sommer dieses Jahres war er in Germanien über den rätischen Limes gegen die Alemannen zu Felde gezogen und hatte schließlich eine erfolgreiche Schlacht mit ihnen am Mainfluss geschlagen. Sein Verhalten zum Feind war jedoch gekennzeichnet durch Verrat und Brutalität. So hatte er die alemannische Jugend aufgerufen unter seinen Fahnen mitzukämpfen und sie dann grausam ermorden lassen. Anschließende Kämpfe scheinen jedoch weniger günstig verlaufen zu sein, denn er sah sich zu Zahlungen an germanische Gruppen veranlasst. Insgesamt gesehen war sein Vorgehen aber offenbar erfolgreich, denn die Lage an der Nordgrenze blieb für zwei Jahrzehnte stabil. 

Allerdings soll Caracalla von den Arvalbrüdern in Rom, einer Priesterschaft in Staatsdiensten, bereits am 17. Mai 213 n.Chr. als „Germanicus maximus“ öffentlich ausgerufen worden sein. Das wären geschlagene drei Monate vor dem mit seinem Namen verbundenen Kampfereignis im Spätsommer desselben Jahres. Wann er den Titel inoffiziell oder offiziell getragen hatte, wird daher noch kontrovers diskutiert. Auf Münzen erscheint der Ehrentitel erstmals ab dem Jahr 213 n.Chr.

Die Beinamen Pius und Felix erscheinen zum ersten Mal offiziell am 1. April 200 n.Chr. und werden meist zwischen dem Namen Antoninus und dem Titel Augustus gestellt. Dabei fehlt der Titel Felix bis 211/212 n.Chr. öfters, so dass in der ersten Zeit Pius allein in der Titulatur vorkommt. Auf Münzprägungen erscheint Pius seit 201 n.Chr. das erste Mal, während Felix erst seit 213 n.Chr. in der Legende zu lesen ist.

Als „Princeps iuventutis“ wurde er meist nur zu Lebzeiten seines Vaters bezeichnet. Die tribunicia potestas erhielt Caracalla im Jahr 198 n.Chr. erstmalig. Das erste Amt des Consulats begleitete er im Jahr 202 n.Chr. Pater Patriae ist nachweisbar seit dem Jahr 205 n.Chr. Den Titel Imperator II erhielt er gegen 207/208 n.Chr. und dann im Jahr 213 n.Chr. als Imperator III. Den Titel „Pontifex Maximus“ trug er richtigerweise erst nach dem Tod seines Vaters Septimius Severus, aber irrtümlich oder aus Schmeichelei wurde er auch schon früher so genannt. Eigentlich war er vor dem Jahr 211 n.Chr. nur Pontifex.

Als Alleinherrscher und Kaiser führte er den Namen Marcus Aurelius Severus Antoninus. Caracalla (richtig eigentlich Caracallus) war ein Spitzname, den er vermutlich ab 208 oder 213 n.Chr. nach einem langen Kapuzenmantel erhielt und in Rom einführte. Dabei handelte es sich um eine vom Kaiser persönlich entworfene modifizierte Luxusausführung eines germanischen oder keltischen Kleidungsstücks. Ein weiterer Spitzname, den Cassius Dio überliefert, war Tarautas. Unter diesem Namen war ein kleinwüchsiger, hässlicher und brutaler Gladiator bekannt, der offenbar ähnlich wie der Kaiser aussah, zumindest nach der Ansicht von dessen Gegnern.

Von Caracalla sind vier Porträttypen bekannt. Sie unterscheiden sich so deutlich, dass ihr Einsetzen mit Hilfe der datierten Münzen genau bestimmt werden kann. Ein erster Typus entstand 196 n.Chr. Unverkennbar ist das jugendlich-lockenköpfige Porträt dem des jungen Marc Aurel nachgebildet. Der Typus entstand zur gleichen Zeit wie ein Porträttypus des Septimius Severus, dessen Gestaltung sich an den letzten Porträttypus des Marc Aurel anlehnt. Die Porträts von Vater und Sohn sollten die behauptete Abstammung aus dem Hause der Antoninen vor Augen führen, die auch in Caracallas neuem Namen zum Ausdruck kam. Von diesem Typus gab es Neuauflagen mit erwachsener werdenden Proportionen.

Im Jahr 204 n.Chr. wurden für Caracalla und Geta neue Bildnistypen geschaffen. Beide trugen nun das kurzgeschorene Haar, das in der Folge im 3. Jahrhundert n.Chr. zur führenden Frisurenmode wurde. Merkwürdigerweise sind die Typen der beiden Brüder einander so ähnlich, dass man sie nicht zuverlässig auseinanderhalten kann. Für beide gab es verschiedene Neuauflagen, die das Älterwerden durch zunehmenden Bartwuchs anzeigten. Auch die Porträts aus dem Jahr der gemeinsamen Regierung 211/12 n.Chr. entsprechen diesen Typen und zeigen beide mit kurzem Vollbart.

Mit dem Gewinn der Alleinherrschaft 212 n.Chr. gestaltete Caracalla sein Porträt völlig neu. Der Kopf ist scharf zur linken Seite gewendet, und die Stirn des massiven Gesichts so kräftig zusammengezogen, dass der Betrachter schwanken kann, ob er in eine Miene höchster Anstrengung oder höchsten Zornes blickt. Caracalla trägt in diesem Porträt eine kurze Lockenfrisur und einen kurzgelockten Bart. Zu diesem Entwurf gehörte die Erfindung eines neuen kurzen Panzerbüstentypus, in dessen straff zur Seite gezogenem Mantel sich die starke Bewegung des Kopfes spiegelt.

Für die Interpretation dieses merkwürdigen Porträts ist es wichtig zu sehen, dass der Kaiser die extreme Inszenierung seiner selbst schon nach wenigen Jahren wieder zurückgenommen hat. In einem 215 n.Chr. geschaffenen Typus wurden die Haltung des Kopfes und die Mimik des Gesichts beruhigt, und Caracalla trägt wieder das kurze Haar, das nun üblich wurde. In einem vermutlich postumen Typus wurde die heftige Mimik des Typus von 212 n.Chr. wieder aufgenommen − man wüsste gern weshalb.

Die extreme Mimik des Porträttypus von 212 n.Chr. muss auch den Zeitgenossen aufgefallen sein. Das zeigen Bemerkungen in der antiken Literatur, die diese Mimik allerdings der Person zuschreiben. Der Zeitgenosse Dio Cassius berichtet, ein Spaßmacher habe gesagt, Caracalla sehe aus, als sei er wütend, weil er sich leidenschaftlich (thymoeidesteron) zu geben pflegte (Dio 78,11). Und in der spätantiken Historia Augusta heißt es, der Kaiser sei als Kind nett gewesen, später aber sei er ‚restrictior, gravior, vultu etiam truculentior, … im Gesichtsausdruck finster‘ geworden (SHA Caracalla 2,4).

Im Hintergrund der merkwürdigen Stilisierung muss vor allem die offenbar besonders ausgeprägte Neigung Caracallas zum Heer und zum Soldatenleben gestanden haben. Er war angeblich keine gute Führungspersönlichkeit, liebte es aber, das Leben der Soldaten zu teilen und wurde dafür von ihnen geliebt. Auch der schon antike Spitzname Caracalla leitet sich von einem bestimmten Soldatenmantel her, den er gern trug. In diesem Sinne könnte der Bildnistypus Kraft, Energie und Einsatzbereitschaft ausgedrückt haben. Ein Bekenntnis zum Heer wäre 212 n.Chr. sehr passend gewesen, denn nach dem Mord an seinem Bruder soll Caracalla sich dorthin geflüchtet haben, als seine Hauptstütze. Vielfach wird außerdem von Caracallas zunehmender Schwärmerei für Alexander dem Großen berichtet. Er soll sogar Doppelhermen mit seinem Bildnis und dem des legendären Makedonen errichtet haben. Für einen Bezug auf Alexander im Porträt, wie ihn andere römische Kaiser gesucht haben, gibt es jedoch keinen Anhaltspunkt.

Revers:
Zu sehen ist Caracalla nach links stehend, verschleiert und in einer Toga gekleidet. In der rechten ausgestreckten Hand hält er über einen Altar eine Patera (Opferschale). Die Inschrift lautet: VOTA SVSCEPTA X für Vota Suscepta Decennalia (Gelübde für die kommenden zehn Herrschaftsjahre).

Eine vergleichsweise kleine Gruppe aus dem bildlichen Facettenreichtum der römischen Münzprägung stellen die sogenannten vota publica dar, die feierlichen Gelöbnisse im öffentlichen Raum zu unterschiedlichsten Anlässen darstellen, wie zum Beispiel bei Hochzeiten, Adoptionen, die Hoffnung auf Gesundung in Krankheitsfällen oder eben auch Regierungsjubiläen. Das Opfer und Gelöbnis können dabei, je nach Anlass, vom Herrscher, einem Mitglied des Kaiserhauses oder eines anderen hohen Staatsbediensteten vollzogen werden. Ebenso waren allerdings auch kollektive Opfer und Gelöbnisse, wie etwa des Senats und des Römischen Volks üblich, die dann auf Münzen als Personifikationen dargestellt wurden.

Zu unterscheiden gilt es hier noch zwischen „vota suscepta“ und den „vota soluta“. Erstere stehen für die zu erfüllenden Gelübde: Der Bittsteller gelobt ein Versprechen einer oder mehrerer Gottheiten gegenüber, die er zu erfüllen gedenkt. Die vota soluta stellen dagegen die bereits erfüllten Gelübde dar. Bezüglich der vota zu den Regierungsjubiläen bedeutet dies, dass beispielsweise nach Abschluss einer zehnjährigen Regierungsperiode die „vota soluta decennalia“ gepriesen und gleichzeitig auch die „vota suscepta vicennalia“, also die nächsten zehn Jahre bis zum zwanzigsten Jubiläum versprochen wurden. Hier ist auch anzunehmen, dass in der Praxis unterschiedliche Zeremonien für „soluta“ und „suscepta“ existiert haben. Generell geben zeitgenössische Quellen jedoch nur wenig über die Praxis religiöser Zeremonien preis.

Von besonderer Relevanz sind hierbei die Votaprägungen anlässlich der Regierungsjubiläen, die mit ca. 70% größten Anteil der Votaprägungen ausmachen und von der augusteischen Zeit ausgehend bis in frühbyzantinische Zeit zu beobachten sind. Der Kaiser ist dabei immer capite velato (mit Kopfverschleierung) dargestellt. Es können ebenso begleitend ein Opfertier, Opferdiener, Musiker etc. auftreten. Auch eine Architekturansicht im Hintergrund (Tempelfront) ist möglich. Das votum solutum und das votum susceptum lassen sich dabei aufgrund der Bildgestaltung (Opfertier) unterscheiden. Eine vergleichende Betrachtung aller soluta Typen mit der Darstellung des Kaisers opfernd zeigt, dass diese alle, ohne Ausnahme, ein Opfertier und den Kaiser aus einer patera libierend zeigen. Eine umgekehrte Betrachtung aller suscepta Typen zeigt, dass, bis auf eine Ausnahme unter Septimius Severus kein Opfertier dargestellt wird. Daraus lässt sich schließen, dass das blutige Opfer nur bei den erfüllten vota soluta getätigt wurde (Textauszug aus Julia Sophia Hanelt: Vota oder nicht Vota? Das ist hier die Frage! Die Bildsprache der Votaprägungen der römischen Kaiser der Prinzipatszeit).

Hintergrund:
Der hier vorgestellte Denar kann aufgrund eines Porträtstilwechsels und ähnlicher Typen um das Jahr 206 n.Chr. datiert werden. Dies würde wiederum bedeuten, dass Caracalla in diesem Zeitraum ein feierliches Gelübde mit „VOTA SVSCEPTA X“ für die kommenden 10 Regierungsjahre abgelegt hatte. Dies klingt auf den ersten Blick plausibel und man ist versucht die Münze in etwa im nachfolgenden Schema einzuordnen:

196 n.Chr. erstes Gelübde für die kommenden 10 Herrscherjahre (vota suscepta)
206 n.Chr. Gelübde wurde feierlich erfüllt (vota soluta)
206 n.Chr. zweites erneuertes Gelübde für weitere 10 Herrscherjahre (vota suscepta)

Doch bevor wir es uns so einfach machen, schauen wir uns erst einmal an, welche Votaprägungen mir unter Caracalla bekannt sind.

Erster Typus:
unter Septimius Severus, auf der Rückseite zusammen mit Caracalla. Vom Porträttyp des Severus vor 200 n.Chr. (vielleicht 198 n.Chr.) geprägt.
Denar, RIC IV Septimius Severus 309 – VOTA SVSCEPTA XX

Zweiter Typus:
vom Porträttyp um die 206 n.Chr. geprägt, dies ist der hier vorgestellte Denar.
Denar, RIC IV Caracalla 150 – VOTA SVSCEPTA X
Denar, RIC IV Caracalla 179 – VOTA SVSCEPTA X
As, RIC IV Caracalla 478a – VOTA SVSCEPTA X
As, RIC IV Caracalla 478b – VOTA SVSCEPTA X

Dritter Typus:
aus meiner Sicht gleicher oder knapp älterer Porträttyp um die 206-208 n.Chr. geprägt.
Denar, RIC IV Caracalla 151 – VOTA SVSCEPTA XX
Denar, RIC IV Caracalla 180 – VOTA SVSCEPTA XX
Denar, RIC IV Caracalla 181 – VOTA SVSCEPTA XX

Vierter Typus:
muss im Jahr 208 n.Chr. oder später geprägt worden sein, da Caracalla erst ab diesem Zeitpunkt das dritte Consulat innehatte.
Denar, RIC IV Caracalla 204 – VOTA SOLVT DEC COS III
Aureus, RIC IV Caracalla 205 – VOTA SOLVT DEC COS III

Fünfter Typus:
geprägt unter der Alleinherrschaft des Caracalla, frühstens ab 213 n.Chr. da auf der Avers Legende der Titel Germanicus erwähnt wird.
Denar, RIC IV Caracalla 325 – VOTA SVSCEPTA X

Wenn die Votaprägungen also an feste Regierungsperioden gebunden sein sollen, stellt sich mir hier direkt die Frage, wieso gibt es im Zeitraum um 206-208 n.Chr. mit den Münzen „VOTA SVSCEPTA X“ und „VOTA SVSCEPTA XX“ zwei vota suscepta Prägungen, welche ein Gelübde für die Zukunft weihen? Und welche Rolle spielt die vota soluta Weihe für ein erfülltes Gelübde um das Jahr 208 n.Chr. mit der „VOTA SOLVT DEC COS III“ Legende?

Eine Möglichkeit, welche ich mir überlegt hatte, wäre die nachfolgende chronologische Reihenfolge:
198 n.Chr. erstes Gelübde des Septimius Severus mit Caracalla (RIC IV Septimius Severus 309 – VOTA SVSCEPTA XX)
208 n.Chr. erfülltes Gelübde des Caracalla (RIC IV Caracalla 204/205, VOTA SOLVT DEC COS III)
208 n.Chr. erneutes Gelübde des Caracalla (Denar, RIC IV Caracalla 151/180/181, VOTA SVSCEPTA XX)

Die Frage ist dann nur, wo passt in dieser Chronologie der hier vorgestellte „VOTA SVSCEPTA X“ Denar um das Jahr 206 n.Chr. hin?

Für mich stellt sich daher die essenzielle Frage, ob die Votaprägungen wirklich unumstößlich an feste Regierungsperioden geknüpft sind. Könnte der Kaiser nicht nach eigenem Wunsch und Ermessen zu unterschiedlichen Zeiten Gelübde mit unterschiedlichen Inhalten abgelegt haben? Vielleicht hat das „VOTA SVSCEPTA X“ Gelübde auf unserem Denar um das Jahr 206 n.Chr. nichts mit dem „VOTA SVSCEPTA XX“ Gelübde um das Jahr 206-208 n.Chr. zu tun? Vielleicht legte Caracalla erst ein Gelübde ab, welches er dann zwei Jahre später erweiterte? Ich halte es nicht abwegig den Göttern ein Gelöbnis zu weihen, welches man später dann um weitere Versprechen zu einem späteren Zeitpunkt erweiterte. Oder gar Monate später ein völlig anderes Gelöbnis den Göttern weiht, mit völlig anderen Wünschen, Inhalten und Versprechen. Vielleicht gelobte Caracalla gegen 206 n.Chr. den Göttern ein erstes Versprechen, welches er dann vor dem großen Feldzug gegen Britannien im Jahr 208 n.Chr. erneuerte oder erweiterte?

Das die Gelöbnisse voneinander unabhängig sein konnten, beweist aus meiner Sicht eine Prägung aus dem Jahr 213 n.Chr. oder später, unter der Alleinherrschaft des Caracalla. Dieser Denar (RIC IV Caracalla 325) mit dem Avers Titel Germanicus trägt auf der Rückseite die erneute Inschrift „VOTA SVSCEPTA X“ und ist damit völlig losgelöst von unserem hier vorgestellten Denar.

Wer hier weitere Anregungen oder Informationen hat, möge mich gerne kontaktieren. Ich freue mich auf jede Nachricht, welche etwas mehr Licht in die Votaprägungen des Caracalla bringen.

Quellen:
* Wikipedia: Caracalla
* Archäologisches Institut Göttingen: Porträttypen römischer Kaiser
* Dr. Werner Robl: Der Ehekamm auf dem Gödenacker bei Berching, Schauplatz der Caracalla-Expedition des Jahres 213 n.Chr.
* Julia Sophia Hanelt: Vota oder nicht Vota? Das ist hier die Frage! Die Bildsprache der Votaprägungen der römischen Kaiser der Prinzipatszeit

Obverse:
You can see the right-facing bust of Caracalla with a laurel wreath. The inscription reads: ANTONINVS PIVS AVG for Antoninus Pius Augustus.

Born as Lucius Septimius Bassianus, he received from his father around the year 195/196 AD the name of Marcus Aurelius Antoninus. He was thus accepted into the imperial family of the Antonines and issued as the fictitious grandson of Marcus Aurelius. At the same time he was given the title of Caesar, designating him as the future emperor. In the year 197, but no later than 198 AD he was promoted to Augustus and endowed with imperial powers.

After the successful campaigns against the Parthians, he received around 199 AD the honorary title „Parthicus maximus“, which then from 200 AD also appears on coins. In the year 208 AD moved the entire imperial family under Septimius Severus to Britain to take military action against the Caledonians and Maatians in the far north of Scotland. After the victorious campaign, Caracalla led from 210 AD the winning name „Britannicus maximus“, which his father and brother also adopted.

Caracalla used the victor’s name „Germanicus maximus“ from 208 or 213 AD. According to a publication by Dr. Werner Robl, it came on the way to Britain in 208 AD for an expedition to Germania. In order to separate the mutually hated brothers Caracalla and Geta, Iulia Domna is said to have sent her son on a visitation trip to the Upper Germanic and Rhaetian Limes. However, there was no war, but the formal submission of one or the other tribe under Roman rule, which prompted the young Caracalla to claim a victory over the Germans and to that early pseudo-title „Germanicus maximus“.

The year 213 AD offers a second explanation. at. In the summer of that year he campaigned in Germania across the Rhaetian Limes against the Alemanni and finally fought a successful battle with them on the Main River. However, his attitude towards the enemy was marked by treachery and brutality. So he called on the Alemannic youth to fight under his banner and then had them cruelly murdered. Subsequent battles, however, seem to have gone less favorably, for he felt compelled to make payments to Germanic groups. Overall, however, his approach was apparently successful, as the situation on the northern border remained stable for two decades.

Caracalla was probably by the Arvalbrothers in Rome, a priesthood in civil service, as early as May 17, 213 AD publicly proclaimed as „Germanicus maximus“. That would be a full three months before the battle event associated with his name in late summer of the same year. When he had unofficially or officially borne the title is therefore still a matter of controversy. The title first appears on coins from the year 213 AD.

The epithets Pius and Felix appear officially for the first time on April 1, 200 AD and are usually placed between the name Antoninus and the title Augustus. The title Felix is missing until 211/212 AD often, so that initially Pius appears alone in the title. Pius has appeared on coinage since 201 AD the first time, while Felix only since 213 AD can be read in the legend.

He was usually only referred to as „Princeps iuventutis“ during his father’s lifetime. Caracalla received the tribunicia potestas in 198 AD first time. He accompanied the first office of consulship in 202 AD. Pater Patriae is verifiable since the year 205 AD. He received the title Imperator II around 207/208 AD and then in 213 AD as Emperor III. He correctly bore the title „Pontifex Maximus“ only after the death of his father Septimius Severus, but he was also called that earlier, either by mistake or out of flattery. Actually he was before the year 211 AD only pontifex.

As sole ruler and emperor, he bore the name Marcus Aurelius Severus Antoninus. Caracalla (actually Caracallus) was a nickname he probably used from 208 or 213 AD received after a long hooded cloak and introduced in Rome. This was a modified luxury version of a Germanic or Celtic garment personally designed by the emperor. Another nickname given to Dio by Cassius was Tarautas. By this name was known a short, ugly, and brutal gladiator who apparently looked similar to the emperor, at least according to his opponents.

Four types of portraits of Caracalla are known. They differ so clearly that their use can be precisely determined with the help of the dated coins. A first type emerged in 196 AD. The youthful, curly-headed portrait is unmistakably based on that of the young Marc Aurel. The type was created at the same time as a portrait type of Septimius Severus, the design of which is based on the last portrait type of Marc Aurel. The portraits of father and son were intended to demonstrate the alleged descent from the house of the Antonines, which was also reflected in Caracalla’s new name. There were new editions of this type with growing proportions.

In the year 204 AD new types of portraits were created for Caracalla and Geta. Both now wore the short-cropped hair that subsequently became popular in the 3rd century AD became the leading hairstyle fashion. Oddly enough, the types of the two brothers are so similar that one cannot reliably tell them apart. There were various new editions for both, which indicated aging through increasing beard growth. The portraits from the year of the joint government 211/12 AD correspond to these types and both show a short full beard.

With the gain of sole rule in 212 AD Caracalla completely redesigned his portrait. The head is turned sharply to the left, and the forehead of the massive face is drawn together so violently that the viewer can vacillate between looking into an expression of supreme exertion or supreme anger. Caracalla wears a short curly hairstyle and a short-curled beard in this portrait. Part of this design was the invention of a new type of short armored bust, in whose cloak pulled tightly to one side the strong movement of the head is reflected.

For the interpretation of this strange portrait, it is important to see that the emperor took back the extreme staging of himself after just a few years. In a 215 AD in the type created, the pose of the head and the facial expressions were calmed, and Caracalla once again wore the short hair that was now customary. In a presumably posthumous type, the violent facial expressions of the type of 212 AD were used. resumed – one would like to know why.

The extreme facial expressions of the portrait type from 212 AD must also have caught the eye of his contemporaries. This is shown by comments in ancient literature, which, however, attribute these facial expressions to the person. The contemporary Dio Cassius reports that a jester said that Caracalla looked angry because he used to give himself passionately (thymoeidesterone) (Dio 78:11). And in the late antique Historia Augusta it says that the emperor was nice as a child, but later he became ‚restrictior, gravior, vultu etiam truculentior, … in facial expression dark‘ (SHA Caracalla 2,4).

In the background of the strange stylization, above all, must have been Caracalla’s particularly pronounced inclination towards the army and the life of a soldier. He was said not to be a good leader, but loved sharing the lives of the soldiers and was loved by them for it. The ancient nickname Caracalla also derives from a certain soldier’s coat that he liked to wear. In this sense, the portrait type could have expressed strength, energy and commitment. A commitment to the army would be 212 AD very appropriate, since after the murder of his brother, Caracalla is said to have taken refuge there as his mainstay. Caracalla’s growing infatuation with Alexander the Great is also widely reported. He is said to have erected double herms with his portrait and that of the legendary Macedonian. However, there is no evidence of a reference to Alexander in the portrait, as other Roman emperors sought.

Reverse:
Caracalla is shown standing left, veiled and dressed in a toga. In his outstretched right hand he holds a patera (sacrificial bowl) over an altar. The inscription reads: VOTA SVSCEPTA X for Vota Suscepta Decennalia (vows for the coming ten years of reign).

The so-called vota publica represent a comparatively small group from the pictorial diversity of Roman coinage. Depending on the occasion, the sacrifice and vow can be performed by the ruler, a member of the imperial family or another high-ranking civil servant. Likewise, however, collective sacrifices and vows, such as those of the Senate and the Roman people, were also common, which were then depicted on coins as personifications.

It is important to distinguish between “vota suscepta” and “vota soluta”. The former stand for the vows to be fulfilled: the supplicant vows a promise to one or more deities that he intends to fulfill. The vota soluta, on the other hand, represent the vows that have already been fulfilled. With regard to the vota for government anniversaries, this means that, for example, after the end of a ten-year government period, the “vota soluta decennalia” is praised and at the same time the “vota suscepta vicennalia”, i.e. the next ten years up to were promised for the twentieth anniversary. Here it can also be assumed that in practice different ceremonies for „soluta“ and „suscepta“ have existed. In general, however, contemporary sources reveal little about the practice of religious ceremonies.

Of particular relevance here are the vota coins on the occasion of government anniversaries, which make up the largest share of vota coins with about 70% and can be observed from the Augustan period up to the early Byzantine period. The emperor is always depicted capite velato (with his head veiled). A sacrificial animal, sacrificial servants, musicians, etc. can also appear as accompaniments. An architectural view in the background (temple front) is also possible. The votum solutum and the votum susceptum can be distinguished on the basis of the image design (sacrificial animal). A comparison of all soluta types with the depiction of the emperor sacrificing shows that all of them, without exception, show a sacrificial animal and the emperor sacrificing from a patera. A reverse examination of all suscepta types shows that with one exception under Septimius Severus no sacrificial animal is represented. From this it can be concluded that the bloody sacrifice was made only when the vota soluta was fulfilled (Text excerpt from Julia Sophia Hanelt: Vota or not Vota? That is the question! The imagery of the vota coins of the Roman emperors of the Principate period).

Background:
The denarius presented here can be dated to around 206 AD due to a change in portrait style and similar types. to be dated. This in turn would mean that during this period Caracalla had taken a solemn vow with „VOTA SVSCEPTA X“ for the coming 10 years of reign. This sounds plausible at first glance and one is tempted to classify the coin in the following scheme:

196 AD first vow for the next 10 years of rulership (vota suscepta)
206 AD vow solemnly fulfilled (vota soluta)
206 AD second renewed vow for another 10 years of rulership (vota suscepta)

But before we make it so easy for ourselves, let’s first have a look at which vota coins I know under Caracalla.

First type:
under Septimius Severus, on the reverse together with Caracalla. Of the portrait type of Severus before 200 AD (perhaps 198 AD) minted.
Denarius, RIC IV Septimius Severus 309 – VOTA SVSCEPTA XX

Second type:
of the portrait type around 206 AD minted, this is the denarius presented here.
Denarius, RIC IV Caracalla 150 – VOTA SVSCEPTA X
Denarius, RIC IV Caracalla 179 – VOTA SVSCEPTA X
As, RIC IV Caracalla 478a – VOTA SVSCEPTA X
As, RIC IV Caracalla 478b – VOTA SVSCEPTA X

Third type:
from my point of view the same or slightly older portrait type around 206-208 AD embossed.
Denarius, RIC IV Caracalla 151 – VOTA SVSCEPTA XX
Denarius, RIC IV Caracalla 180 – VOTA SVSCEPTA XX
Denarius, RIC IV Caracalla 181 – VOTA SVSCEPTA XX

Fourth type:
must be in 208 AD or later, since Caracalla only held the third consulship from this point in time.
Denarius, RIC IV Caracalla 204 – VOTA SOLVT DEC COS III
Aureus, RIC IV Caracalla 205 – VOTA SOLVT DEC COS III

Fifth type:
minted under the sole rule of Caracalla, no earlier than 213 AD since the title Germanicus is mentioned on the obverse legend.
Denarius, RIC IV Caracalla 325 – VOTA SVSCEPTA X

If the vota mintings are to be tied to fixed periods of government, the question arises here, why is there in the period around 206-208 AD with the coins „VOTA SVSCEPTA X“ and „VOTA SVSCEPTA XX“ two vota suscepta coinage, which consecrate a vow for the future? And what role does the vota soluta consecration play for a fulfilled vow around the year 208 AD with the „VOTA SOLVT DEC COS III“ legend?

One possibility I had considered would be the following chronological order:
198 AD first vows of Septimius Severus with Caracalla (RIC IV Septimius Severus 309 – VOTA SVSCEPTA XX)
208 AD fulfilled vow of Caracalla (RIC IV Caracalla 204/205, VOTA SOLVT DEC COS III)
208 AD renewed vow of Caracalla (denarius, RIC IV Caracalla 151/180/181, VOTA SVSCEPTA XX)

The only question then is where in this chronology does the “VOTA SVSCEPTA X” denarius presented here fit around the year 206 AD there?

For me, therefore, the essential question arises as to whether the voting issues are really indisputably linked to fixed periods of government. Couldn’t the emperor have made vows with different content at different times, according to his own wishes and discretion? Perhaps the „VOTA SVSCEPTA X“ vows on our denarius date from around the year 206 AD nothing to do with the „VOTA SVSCEPTA XX“ vow around the year 206-208 AD to do? Perhaps Caracalla first took a vow, which he then extended two years later? I don’t think it’s unreasonable to consecrate a vow to the gods, which was then later expanded to include other vows at a later date. Or even months later consecrating a completely different vow to the gods, with completely different wishes, content and promises. Perhaps around 206 AD, Caracalla vowed a first promise to the gods, which he then kept before the great campaign against Britain in 208 AD renewed or expanded?

From my point of view, an coinage from the year 213 AD proves that the vows could be independent of each other. or later, under the autocracy of Caracalla. This denarius (RIC IV Caracalla 325) with the obverse title Germanicus bears the new inscription „VOTA SVSCEPTA X“ on the reverse and is therefore completely detached from our denarius presented here.

If you have any further suggestions or information, please feel free to contact me. I look forward to any news that sheds a little more light on Caracalla’s vota coinage.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.