Marcus Aurelius Severus Antoninus Caracalla 211 bis 217 n.Chr.

Silber Denar Rom Marcus Aurelius Severus Antoninus Caracalla 201/206 n.Chr.

Münze:
Denar der römischen Kaiserzeit 201/206 n.Chr.
Material: Silber
Durchmesser: 20mm
Gewicht: 3,52g
Münzstätte: Rom
Provenienz: Palaio Dr. Gernot Heinrich, Bad Reichenhall
Referenz: RIC IV Caracalla 135

Avers:
Zu sehen ist die nach rechts gerichtete drapierte Büste des Caracalla mit Lorbeerkranz. Die Inschrift lautet: ANTONINVS PIVS AVG für Antoninus Pius Augustus.

Geboren als Lucius Septimius Bassianus, erhielt er von seinem Vater um das Jahr 195/196 n.Chr. den Namen Marcus Aurelius Antoninus. Damit wurde er in das Kaisergeschlecht der Antonine aufgenommen und als fiktiver Enkel des Marcus Aurelius ausgegeben. Zur gleichen Zeit wurde ihm der Titel Caesar verliehen, womit er zum künftigen Kaiser designiert wurde. Im Jahr 197, spätestens jedoch 198 n.Chr. wurde er zum Augustus erhoben und mit den kaiserlichen Vollmachten ausgestattet. 

Nach den erfolgreichen Feldzügen gegen die Parther, erhielt er gegen 199 n.Chr. den Ehrentitel „Parthicus maximus“, welcher dann ab 200 n.Chr. auch auf Münzen erscheint. Im Jahr 208 n.Chr. zog die gesamte Kaiserfamilie unter Septimius Severus nach Britannien, um militärisch gegen die Kaledonier und Mäaten weit im Norden Schottlands vorzugehen. Nach dem siegreichen Feldzug führte Caracalla ab 210 n.Chr. den Siegernamen „Britannicus maximus“, den auch sein Vater und sein Bruder annahmen.

Den Siegernamen „Germanicus maximus“ führte Caracalla seit 208 oder 213 n.Chr. Laut einer Publikation von Dr. Werner Robl, kam es bereits auf dem Weg nach Britannien im Jahr 208 n.Chr. zu einer Expedition nach Germanien. Um die sich gegenseitig verhassten Brüder Caracalla und Geta zu trennen, soll Iulia Domna ihren Sohn zur Visitationsreise an den obergermanischen und rätischen Limes geschickt haben. Es kam allerdings zu keinem Krieg, wohl aber die formale Unterwerfung des einen oder anderen Stammes unter die Herrschaft der Römer, was den jungen Caracalla zur Behauptung eines Sieges über die Germanen und zu jenem frühen Scheintitel „Germanicus maximus“ veranlasste. 

Eine zweite Erklärung bietet das Jahr 213 n.Chr. an. Im Sommer dieses Jahres war er in Germanien über den rätischen Limes gegen die Alemannen zu Felde gezogen und hatte schließlich eine erfolgreiche Schlacht mit ihnen am Mainfluss geschlagen. Sein Verhalten zum Feind war jedoch gekennzeichnet durch Verrat und Brutalität. So hatte er die alemannische Jugend aufgerufen unter seinen Fahnen mitzukämpfen und sie dann grausam ermorden lassen. Anschließende Kämpfe scheinen jedoch weniger günstig verlaufen zu sein, denn er sah sich zu Zahlungen an germanische Gruppen veranlasst. Insgesamt gesehen war sein Vorgehen aber offenbar erfolgreich, denn die Lage an der Nordgrenze blieb für zwei Jahrzehnte stabil. 

Allerdings soll Caracalla von den Arvalbrüdern in Rom, einer Priesterschaft in Staatsdiensten, bereits am 17. Mai 213 n.Chr. als „Germanicus maximus“ öffentlich ausgerufen worden sein. Das wären geschlagene drei Monate vor dem mit seinem Namen verbundenen Kampfereignis im Spätsommer desselben Jahres. Wann er den Titel inoffiziell oder offiziell getragen hatte, wird daher noch kontrovers diskutiert. Auf Münzen erscheint der Ehrentitel erstmals ab dem Jahr 213 n.Chr.

Die Beinamen Pius und Felix erscheinen zum ersten Mal offiziell am 1. April 200 n.Chr. und werden meist zwischen dem Namen Antoninus und dem Titel Augustus gestellt. Dabei fehlt der Titel Felix bis 211/212 n.Chr. öfters, so dass in der ersten Zeit Pius allein in der Titulatur vorkommt. Auf Münzprägungen erscheint Pius seit 201 n.Chr. das erste Mal, während Felix erst seit 213 n.Chr. in der Legende zu lesen ist.

Als „Princeps iuventutis“ wurde er meist nur zu Lebzeiten seines Vaters bezeichnet. Die tribunicia potestas erhielt Caracalla im Jahr 198 n.Chr. erstmalig. Das erste Amt des Consulats begleitete er im Jahr 202 n.Chr. Pater Patriae ist nachweisbar seit dem Jahr 205 n.Chr. Den Titel Imperator II erhielt er gegen 207/208 n.Chr. und dann im Jahr 213 n.Chr. als Imperator III. Den Titel „Pontifex Maximus“ trug er richtigerweise erst nach dem Tod seines Vaters Septimius Severus, aber irrtümlich oder aus Schmeichelei wurde er auch schon früher so genannt. Eigentlich war er vor dem Jahr 211 n.Chr. nur Pontifex.

Als Alleinherrscher und Kaiser führte er den Namen Marcus Aurelius Severus Antoninus. Caracalla (richtig eigentlich Caracallus) war ein Spitzname, den er vermutlich ab 208 oder 213 n.Chr. nach einem langen Kapuzenmantel erhielt und in Rom einführte. Dabei handelte es sich um eine vom Kaiser persönlich entworfene modifizierte Luxusausführung eines germanischen oder keltischen Kleidungsstücks. Ein weiterer Spitzname, den Cassius Dio überliefert, war Tarautas. Unter diesem Namen war ein kleinwüchsiger, hässlicher und brutaler Gladiator bekannt, der offenbar ähnlich wie der Kaiser aussah, zumindest nach der Ansicht von dessen Gegnern.

Von Caracalla sind vier Porträttypen bekannt. Sie unterscheiden sich so deutlich, dass ihr Einsetzen mit Hilfe der datierten Münzen genau bestimmt werden kann. Ein erster Typus entstand 196 n.Chr. Unverkennbar ist das jugendlich-lockenköpfige Porträt dem des jungen Marc Aurel nachgebildet. Der Typus entstand zur gleichen Zeit wie ein Porträttypus des Septimius Severus, dessen Gestaltung sich an den letzten Porträttypus des Marc Aurel anlehnt. Die Porträts von Vater und Sohn sollten die behauptete Abstammung aus dem Hause der Antoninen vor Augen führen, die auch in Caracallas neuem Namen zum Ausdruck kam. Von diesem Typus gab es Neuauflagen mit erwachsener werdenden Proportionen.

Im Jahr 204 n.Chr. wurden für Caracalla und Geta neue Bildnistypen geschaffen. Beide trugen nun das kurzgeschorene Haar, das in der Folge im 3. Jahrhundert n.Chr. zur führenden Frisurenmode wurde. Merkwürdigerweise sind die Typen der beiden Brüder einander so ähnlich, dass man sie nicht zuverlässig auseinanderhalten kann. Für beide gab es verschiedene Neuauflagen, die das Älterwerden durch zunehmenden Bartwuchs anzeigten. Auch die Porträts aus dem Jahr der gemeinsamen Regierung 211/12 n.Chr. entsprechen diesen Typen und zeigen beide mit kurzem Vollbart.

Mit dem Gewinn der Alleinherrschaft 212 n.Chr. gestaltete Caracalla sein Porträt völlig neu. Der Kopf ist scharf zur linken Seite gewendet, und die Stirn des massiven Gesichts so kräftig zusammengezogen, dass der Betrachter schwanken kann, ob er in eine Miene höchster Anstrengung oder höchsten Zornes blickt. Caracalla trägt in diesem Porträt eine kurze Lockenfrisur und einen kurzgelockten Bart. Zu diesem Entwurf gehörte die Erfindung eines neuen kurzen Panzerbüstentypus, in dessen straff zur Seite gezogenem Mantel sich die starke Bewegung des Kopfes spiegelt.

Für die Interpretation dieses merkwürdigen Porträts ist es wichtig zu sehen, dass der Kaiser die extreme Inszenierung seiner selbst schon nach wenigen Jahren wieder zurückgenommen hat. In einem 215 n.Chr. geschaffenen Typus wurden die Haltung des Kopfes und die Mimik des Gesichts beruhigt, und Caracalla trägt wieder das kurze Haar, das nun üblich wurde. In einem vermutlich postumen Typus wurde die heftige Mimik des Typus von 212 n.Chr. wieder aufgenommen − man wüsste gern weshalb.

Die extreme Mimik des Porträttypus von 212 n.Chr. muss auch den Zeitgenossen aufgefallen sein. Das zeigen Bemerkungen in der antiken Literatur, die diese Mimik allerdings der Person zuschreiben. Der Zeitgenosse Dio Cassius berichtet, ein Spaßmacher habe gesagt, Caracalla sehe aus, als sei er wütend, weil er sich leidenschaftlich (thymoeidesteron) zu geben pflegte (Dio 78,11). Und in der spätantiken Historia Augusta heißt es, der Kaiser sei als Kind nett gewesen, später aber sei er ‚restrictior, gravior, vultu etiam truculentior, … im Gesichtsausdruck finster‘ geworden (SHA Caracalla 2,4).

Im Hintergrund der merkwürdigen Stilisierung muss vor allem die offenbar besonders ausgeprägte Neigung Caracallas zum Heer und zum Soldatenleben gestanden haben. Er war angeblich keine gute Führungspersönlichkeit, liebte es aber, das Leben der Soldaten zu teilen und wurde dafür von ihnen geliebt. Auch der schon antike Spitzname Caracalla leitet sich von einem bestimmten Soldatenmantel her, den er gern trug. In diesem Sinne könnte der Bildnistypus Kraft, Energie und Einsatzbereitschaft ausgedrückt haben. Ein Bekenntnis zum Heer wäre 212 n.Chr. sehr passend gewesen, denn nach dem Mord an seinem Bruder soll Caracalla sich dorthin geflüchtet haben, als seine Hauptstütze. Vielfach wird außerdem von Caracallas zunehmender Schwärmerei für Alexander dem Großen berichtet. Er soll sogar Doppelhermen mit seinem Bildnis und dem des legendären Makedonen errichtet haben. Für einen Bezug auf Alexander im Porträt, wie ihn andere römische Kaiser gesucht haben, gibt es jedoch keinen Anhaltspunkt.

Revers:
Zu sehen ist die nach links stehende Personifikation der Liberalitas mit einem Zählbrett in der rechten Hand und einer Cornucopia (Füllhorn) in der anderen Hand. Die Inschrift lautet: LIBERALITAS AVGG IIII für Liberalitas Duorum Agustorum (zwei Augusti) zum vierten Male (ein Congiarium, Donativum).

Ein Congiarium (Spende, Geschenk) war ursprünglich eine kaiserliche Getreidespende im alten Rom. Die Bezeichnung leitet sich von der Maßeinheit congius (3,20 Liter) ab und war anfänglich eine Natural- und später eine Geldleistung des Kaisers und reicher Römer an das Volk, in der Regel anlässlich festlicher Ereignisse. Es handelte sich um eine freiwillige Leistung, auf die das Volk keinen Rechtsanspruch hatte, war aber auch nicht mit der Hoffnung oder dem Anspruch auf eine Gegenleistung verbunden.

Der Konstantinsbogen enthält ein Relief, auf dem die Vergabe von Geldspenden durch Kaiser Konstantin gezeigt wird. Auch viele antike römische Münzen widmen sich diesem Thema, womit das Congiarium teilweise auch Liberalitas (= Bereitwilligkeit, zu geben, ohne dazu verpflichtet zu sein) genannt wurde.

Das Donativum (Donativ) war im Römischen Reich ein Geldgeschenk, das die römischen Kaiser unter die Soldaten der Legionen oder der Prätorianergarde verteilten. Der Zweck des donativum variierte, historische donativa waren Ausdruck der Dankbarkeit für die entgegengebrachte oder erwartete Gunst, andere ein erster Sold durch den neuen Caesar oder einfach für anhaltendes Wohlwollen, das erwartet wurde.

Bereits in der Zeit der späten römischen Republik wurden Geldgeschenke an die Berufssoldaten ausgegeben, so beispielsweise von Sulla, Caesar sowie Brutus und Cassius. Kaiser Augustus hinterließ den Prätorianern noch eine beträchtliche Summe in seinem Testament, aber ab der Regierung des Tiberius wurden die Geldgeschenke quasi zur Pflicht. Die Prätorianer erhielten das Geld, um zuzulassen, dass Sejanus, ihr Präfekt, gestürzt wurde: Jeder Gardist erhielt 10 Goldstücke dafür, dass er davon Abstand nahm, ihn zu verteidigen. Im Jahr 41 n.Chr. nach dem Mord an Caligula, unterstützte die Garde Claudius, und nach einer kurzen Zeit Begriff der Senat, dass es die Garde war, die ihn auf den Thron gesetzt hatte. Claudius gab ihnen 150 Aurei, etwa 3750 Denare – zu denen die Senatoren jährlich 100 Sesterzen hinzutaten, um an Claudius’ Inthronisierung zu erinnern.

Donativa wurden üblicherweise zum Amtsantritt eines neuen Kaisers ausgegeben, aber auch zu anderen bedeutenden Anlässen wie Thronjubiläen, der Verleihung von Ehrentiteln an einen Mitregenten, am Tag des Tirocinium flori des Thronfolgers oder anlässlich der Bekleidung des Kronprinzen mit der Toga virilis, bei bedeutenden Adoptionen oder Heiraten in der Kaiserfamilie. Es sind auch Situationen bezeugt, bei denen ein Kaiser Soldaten mithilfe eines donativums vom Plündern abzuhalten suchte oder aber gegnerische Legionäre für sich gewinnen wollte.

Im 2. und 3. Jahrhundert aber wurde diese Form der Bestechung ein zentraler Punkt für jeden erfolgreichen Regenten, zum Beispiel bei vielen Soldatenkaisern zwischen 235 und 284 n.Chr. vor allem an die Prätorianergarde, die dem Kaiser wesentlich näher war und daher eine größere Gefahr für seine Sicherheit darstellte. Die in Rom stationierten Kohorten waren schwierig ruhigzuhalten und schnell bei der Hand, wenn es darum ging, einen Mord zu begehen. Das donativum diente also dazu, die Unterstützung und Loyalität der Prätorianer zu erhalten. Umgekehrt hatte keinen Anspruch darauf, wer Kriegsgefangener war oder der Desertion beschuldigt wurde.

Liberalitas (lateinisch Freigebigkeit) ist die Personifikation der Großzügigkeit und Wohltätigkeit und ihrer Bereitwilligkeit, zu geben, ohne dazu verpflichtet zu sein. Ihr wichtigstes Attribut war die Cornucopia (das Füllhorn). In der frühen römischen Kaiserzeit entwickelte sich die Bezeichnung zu einem Wertbegriff und einer der Tugenden des Prinzipats, auf dem wiederum der Begriff der Liberalität fußt.

Die Tugend uneigennützigen Handelns gehörte zu den typisch römischen Moralvorstellungen und besaß eine lange Tradition. In republikanischer Zeit unterschied man noch zwischen den Begriffen liberalitas und largitio, wobei letzterer das Schenken in den Vordergrund stellte. Erstmals belegt ist die Begriffsentwicklung in Richtung der Congiarienverteilung unter Hadrian.

Mit Entstehung der Herrschaftsstruktur des Prinzipats in der frühen römischen Kaiserzeit wurde liberalitas zum Sinnbild für die wichtigen Herrschertugenden der Princeps, nämlich der kaiserlichen Großzügigkeit und der Organisation der Getreideversorgung Roms (annona), wodurch sie Elemente der Libertas erhielt. Zunächst bezeichnete liberalitas die kaiserliche Getreidespende (congiarium) allein. Ab Antoninus Pius auch die Donative für die Soldaten. Schließlich erweiterte sich die Bedeutung um Schuldenerlass, Steuernachlass, Katastrophenhilfe, Bautätigkeit für das Allgemeinwohl sowie Veranstaltung von Spielen. Ab dem 3. Jahrhundert verschmolzen nach Christian Körner (Philippus Arabs) die libertas und liberalitas Vorstellungen in zunehmendem Maß.

Unter Caesar erlangte der Begriff erstmals politische Bedeutung, da er diese Tugend besonders in den Vordergrund rückte. Er stellte sich damit bewusst gegen jene Personen der Vergangenheit, mit denen er verglichen wurde, wie beispielsweise Sulla. Mit einher ging in der Wortbedeutung die Verschmelzung von Tugend und Geschenk, wobei der ethische Hintergrund als Auslöser des Handelns präsent blieb. Erst ab dieser Zeit kann man von einer tatsächlichen Personifikation im Sinne der Versinnbildlichung einer Idee der Liberalitas sprechen. Als Attribut dachte man der Liberalitas das Füllhorn zu.

Auf römischen Kaisermünzen wird Liberalitas als Personifikation der Freigebigkeit mit Füllhorn in der einen und Zählbrett (Abakus) in der anderen Hand dargestellt. Das Rechenbrett deutet auf die Congiarien, die kaiserliche Güterspende an das Volk.

Hintergrund:
Liberalitas Münztypen bezeugen Fälle, in denen der Kaiser seine Großzügigkeit gegenüber dem Volk durch eine Verteilung an Geld, Vorräten oder gar beidem gezeigt hat. Die erste Erwähnung von Liberalitas ist auf den Münzen des Hadrian bezeugt. Gerade diese Fälle imperialer Großzügigkeit wurden sorgfältig auf Münzen für die kaiserliche Propaganda in Umlauf gebracht. Dieser hier vorgestellte Denar wirbt für die vierte von Caracalla (und im Namen seines Vaters Septimius Severus) vorgenommene Verteilung an die jeweiligen Empfänger. 

Die Liberalitas wird durch das Bild einer Frau personifiziert, welche in der einen Hand ein Zählbrett oder ein quadratisches Tablet mit einem Griff hält, auf der eine bestimmte Anzahl von Löchern geschnitten ist. Diese Bretter wurden verwendet, um schnell die richtige Anzahl von Münzen oder anderen Gegenständen für die Verteilung an jede Person zu zählen. In der anderen Hand hält sie ein Füllhorn. Handelt es sich dabei um ein doppeltes Füllhorn, kann von einem doppelten Geschenk ausgegangen werden. 

Die Kaiserfamilie um Septimius Severus zeigten sich in Bezug auf Congiarien und Donativa recht großzügig. Direkt bei Amtsantritt 193 v.Chr. ließ er vor allem dem Senat reiche Geschenke zukommen (erste Liberalitas, RIC IV Septimius Severus 18). Die nächsten Zuwendungen erfolgten bereits ab dem Jahr 196/197 n.Chr. (zweite Liberalitas, RIC IV Septimius Severus 81a) nachdem der Mitkaiser und Konkurrent Clodius Albinus den gewaltsamen Tod fand und Septimius die Alleinherrschaft übernehmen konnte.

Wenige Jahre später erfolgte jedoch eine wahre Flut an Geldgeschenken.

Im Jahr 202 n.Chr. feierte Septimius Severus sein zehnjähriges Regierungsjubiläum, die Decennalien. Zu diesen Feierlichkeiten zahlte der Kaiser den Prätorianern und jedem Bürger Roms 10 Goldstücke aus (Herodian III 10, 3). Cassius Dio (LXXVI 1, 1) versichert, dass noch nie ein Donativ von solcher Höhe gegeben worden sei (dritte Liberalitas, RIC IV Septimius Severus 276). Im gleichen Jahr bedachte er seine treu ergebenen Legionen Legio I, II und III Parthica mit einem weiteren sehr umfangreichen Donativ (fünfte Liberalitas, RIC IV Septimius Severus 277). Sein Aufbruch nach Africa im Jahr 203 n.Chr. ist Anlass genug erneut Geldgeschenke zu verteilen (sechste Liberalitas, RIC IV Septimius Severus 278a bis 279).

Die aufmerksame Leserin bzw. der aufmerksame Leser hat sicher bemerkt, dass die vierte Liberalitas in der Aufzählung fehlte. Der hier vorgestellte Denar des Caracalla, geprägt unter Septimius Severus, steht im Kontext dieser Verteilung von Zuwendungen. Neben den Regierungsfeierlichkeiten des Kaisers selbst im Jahr 202 n.Chr. – wurde auch die glückliche Heimkehr der beiden Augusti Severus und Caracalla, sowie der Kaiserin Iulia Domna und des Geta aus dem Osten mit einem Freudenfest gefeiert. Der Höhepunkt der Volksbelustigungen waren siebentägige Zirkusspiele. Bald darauf wurde auch die Hochzeit des erst vierzehnjährigen Caracalla mit Plautilia, Tochter des Plautianus, begangen und Geldgeschenke verteilt (vierte Liberalitas, RIC IV Caracalla 135). 

Diese vier Liberalitas in den Jahren 202 bis 203 n.Chr. in ihrem immensen Umfang führten danach zu einer reichsweiten spürbaren Geldentwertung. 

Quellen:
* Wikipedia: Septimius Severus
* Wikipedia: Caracalla
* Wikipedia: Liberalitas
* Wikipedia: Congiarium
* Wikipedia: Donativum
* Numiswiki: LIBERALITAS AVG
* Cassius Dio: Septimius Severus
* Herodian: Septimius Severus
* Peter Robert Franke, Ilse Paar: die antiken Münzen der Sammlung Heynen
* Archäologisches Institut Göttingen: Porträttypen römischer Kaiser
* Dr. Werner Robl: Der Ehekamm auf dem Gödenacker bei Berching, Schauplatz der Caracalla-Expedition des Jahres 213 n.Chr.

Obverse:
You can see the right-facing draped bust of Caracalla with a laurel wreath. The inscription reads: ANTONINVS PIVS AVG for Antoninus Pius Augustus.

Born as Lucius Septimius Bassianus, he received from his father around the year 195/196 AD the name of Marcus Aurelius Antoninus. He was thus accepted into the imperial family of the Antonines and issued as the fictitious grandson of Marcus Aurelius. At the same time he was given the title of Caesar, designating him as the future emperor. In the year 197, but no later than 198 AD he was promoted to Augustus and endowed with imperial powers.

After the successful campaigns against the Parthians, he received around 199 AD the honorary title „Parthicus maximus“, which then from 200 AD also appears on coins. In the year 208 AD moved the entire imperial family under Septimius Severus to Britain to take military action against the Caledonians and Maatians in the far north of Scotland. After the victorious campaign, Caracalla led from 210 AD the winning name „Britannicus maximus“, which his father and brother also adopted.

Caracalla used the victor’s name „Germanicus maximus“ from 208 or 213 AD. According to a publication by Dr. Werner Robl, it came on the way to Britain in 208 AD for an expedition to Germania. In order to separate the mutually hated brothers Caracalla and Geta, Iulia Domna is said to have sent her son on a visitation trip to the Upper Germanic and Rhaetian Limes. However, there was no war, but the formal submission of one or the other tribe under Roman rule, which prompted the young Caracalla to claim a victory over the Germans and to that early pseudo-title „Germanicus maximus“.

The year 213 AD offers a second explanation. at. In the summer of that year he campaigned in Germania across the Rhaetian Limes against the Alemanni and finally fought a successful battle with them on the Main River. However, his attitude towards the enemy was marked by treachery and brutality. So he called on the Alemannic youth to fight under his banner and then had them cruelly murdered. Subsequent battles, however, seem to have gone less favorably, for he felt compelled to make payments to Germanic groups. Overall, however, his approach was apparently successful, as the situation on the northern border remained stable for two decades.

Caracalla was probably by the Arvalbrothers in Rome, a priesthood in civil service, as early as May 17, 213 AD publicly proclaimed as „Germanicus maximus“. That would be a full three months before the battle event associated with his name in late summer of the same year. When he had unofficially or officially borne the title is therefore still a matter of controversy. The title first appears on coins from the year 213 AD.

The epithets Pius and Felix appear officially for the first time on April 1, 200 AD and are usually placed between the name Antoninus and the title Augustus. The title Felix is missing until 211/212 AD often, so that initially Pius appears alone in the title. Pius has appeared on coinage since 201 AD the first time, while Felix only since 213 AD can be read in the legend.

He was usually only referred to as „Princeps iuventutis“ during his father’s lifetime. Caracalla received the tribunicia potestas in 198 AD first time. He accompanied the first office of consulship in 202 AD. Pater Patriae is verifiable since the year 205 AD. He received the title Imperator II around 207/208 AD and then in 213 AD as Emperor III. He correctly bore the title „Pontifex Maximus“ only after the death of his father Septimius Severus, but he was also called that earlier, either by mistake or out of flattery. Actually he was before the year 211 AD only pontifex.

As sole ruler and emperor, he bore the name Marcus Aurelius Severus Antoninus. Caracalla (actually Caracallus) was a nickname he probably used from 208 or 213 AD received after a long hooded cloak and introduced in Rome. This was a modified luxury version of a Germanic or Celtic garment personally designed by the emperor. Another nickname given to Dio by Cassius was Tarautas. By this name was known a short, ugly, and brutal gladiator who apparently looked similar to the emperor, at least according to his opponents.

Four types of portraits of Caracalla are known. They differ so clearly that their use can be precisely determined with the help of the dated coins. A first type emerged in 196 AD. The youthful, curly-headed portrait is unmistakably based on that of the young Marc Aurel. The type was created at the same time as a portrait type of Septimius Severus, the design of which is based on the last portrait type of Marc Aurel. The portraits of father and son were intended to demonstrate the alleged descent from the house of the Antonines, which was also reflected in Caracalla’s new name. There were new editions of this type with growing proportions.

In the year 204 AD new types of portraits were created for Caracalla and Geta. Both now wore the short-cropped hair that subsequently became popular in the 3rd century AD became the leading hairstyle fashion. Oddly enough, the types of the two brothers are so similar that one cannot reliably tell them apart. There were various new editions for both, which indicated aging through increasing beard growth. The portraits from the year of the joint government 211/12 AD correspond to these types and both show a short full beard.

With the gain of sole rule in 212 AD Caracalla completely redesigned his portrait. The head is turned sharply to the left, and the forehead of the massive face is drawn together so violently that the viewer can vacillate between looking into an expression of supreme exertion or supreme anger. Caracalla wears a short curly hairstyle and a short-curled beard in this portrait. Part of this design was the invention of a new type of short armored bust, in whose cloak pulled tightly to one side the strong movement of the head is reflected.

For the interpretation of this strange portrait, it is important to see that the emperor took back the extreme staging of himself after just a few years. In a 215 AD in the type created, the pose of the head and the facial expressions were calmed, and Caracalla once again wore the short hair that was now customary. In a presumably posthumous type, the violent facial expressions of the type of 212 AD were used. resumed – one would like to know why.

The extreme facial expressions of the portrait type from 212 AD must also have caught the eye of his contemporaries. This is shown by comments in ancient literature, which, however, attribute these facial expressions to the person. The contemporary Dio Cassius reports that a jester said that Caracalla looked angry because he used to give himself passionately (thymoeidesterone) (Dio 78:11). And in the late antique Historia Augusta it says that the emperor was nice as a child, but later he became ‚restrictior, gravior, vultu etiam truculentior, … in facial expression dark‘ (SHA Caracalla 2,4).

In the background of the strange stylization, above all, must have been Caracalla’s particularly pronounced inclination towards the army and the life of a soldier. He was said not to be a good leader, but loved sharing the lives of the soldiers and was loved by them for it. The ancient nickname Caracalla also derives from a certain soldier’s coat that he liked to wear. In this sense, the portrait type could have expressed strength, energy and commitment. A commitment to the army would be 212 AD very appropriate, since after the murder of his brother, Caracalla is said to have taken refuge there as his mainstay. Caracalla’s growing infatuation with Alexander the Great is also widely reported. He is said to have erected double herms with his portrait and that of the legendary Macedonian. However, there is no evidence of a reference to Alexander in the portrait, as other Roman emperors sought.

Reverse:
The figure of Liberalitas is standing to the left, holding a counting board in the right hand and a cornucopia in the other hand. The inscription reads: LIBERALITAS AVGG IIII for Liberalitas Duorum Agustorum (two Augusti) for the fourth time (an Congiarium, Donativum).

A congiarium (donation, gift) was originally an imperial donation of grain in ancient Rome. The name derives from the unit congius (3.20 liters) and was initially a payment in kind and later a cash payment from the emperor and wealthy Romans to the people, usually on the occasion of festive events. It was a voluntary service to which the people had no legal entitlement, but it was also not connected with the hope or the entitlement to something in return.

The Arch of Constantine contains a relief showing the giving of money by Emperor Constantine. Many ancient Roman coins are also dedicated to this topic, which is why the congiarium was sometimes also called liberalitas (= willingness to give without being obliged to do so).

The Donativum (donative) was a gift of money in the Roman Empire that the Roman emperors distributed among the soldiers of the legions or the Praetorian Guard. The purpose of the donativum varied, historical donativa being expressions of gratitude for favor bestowed or expected, others a first paycheck from the new Caesar, or simply for continued goodwill that was expected.

As early as the late Roman Republic, gifts of money were given to professional soldiers, for example by Sulla, Caesar, Brutus and Cassius. Emperor Augustus left a considerable sum in his will to the Praetorians, but from the reign of Tiberius, gifts of money became almost obligatory. The Praetorians received the money to allow Sejanus, their prefect, to be overthrown: each guardsman received 10 gold pieces for refraining from defending him. In the year 41 AD after the assassination of Caligula, the Guard supported Claudius, and after a short time the Senate realized that it was the Guard that had placed him on the throne. Claudius gave them 150 aurei, about 3750 denarii – to which the senators added 100 sesterces annually to commemorate Claudius‘ enthronement.

Donativa were usually issued when a new emperor took office, but also on other important occasions such as throne jubilees, the bestowal of honorary titles on a co-regent, on the day of the tirocinium flori of the heir to the throne or on the occasion of the crown prince wearing the toga virilis, on important adoptions or marriages in the imperial family. There are also testimonies of situations in which an emperor tried to keep soldiers from plundering with the help of a donativum or wanted to win over opposing legionnaires.

In the 2nd and 3rd centuries, however, this form of bribery became a central point for every successful regent, for example with many soldier emperors between 235 and 284 AD especially to the Praetorian Guard, who were considerably closer to the Emperor and therefore posed a greater threat to his security. The cohorts stationed in Rome were difficult to keep still and quick to commit murder. The donativum thus served to gain the support and loyalty of the Praetorians. Conversely, whoever was a prisoner of war or accused of desertion had no claim.

Liberalitas (Latin generosity) is the personification of generosity and charity and their willingness to give without obligation. Her most important attribute was the cornucopia (cornucopia). In the early Roman Empire, the term developed into a value concept and one of the virtues of the principate, on which the concept of liberality is based.

The virtue of unselfish action was one of the typical Roman moral concepts and had a long tradition. In the republican period, a distinction was still made between the terms liberalitas and largitio, with the latter placing the gift giving in the foreground. The development of the concept in the direction of the Congiaria distribution under Hadrian is documented for the first time.

With the emergence of the rule structure of the principate in the early Roman Empire, liberalitas became a symbol for the important sovereign virtues of the princeps, namely imperial generosity and the organization of Rome’s grain supply (annona), which gave it elements of libertas. Initially, liberalitas referred to the imperial grain donation (congiarium) alone. From Antoninus Pius also the Donative for the soldiers. Eventually, the importance expanded to include debt relief, tax relief, disaster relief, construction for the common good, and hosting games. From the 3rd century, according to Christian Körner (Philippus Arabs), the concepts of libertas and liberalitas increasingly merged.

Under Caesar, the term first gained political importance, as it brought this virtue to the fore. In doing so, he deliberately opposed those people of the past with whom he was compared, such as Sulla. The merging of virtue and gift went hand in hand in the meaning of the word, with the ethical background remaining present as the trigger for action. Only from this time can one speak of an actual personification in the sense of symbolizing an idea of ​​liberality. Liberalitas was thought to have the cornucopia as an attribute.

On Roman imperial coins, Liberalitas is depicted as the personification of generosity, holding a cornucopia in one hand and a counting board (abacus) in the other. The abacus points to the congiaria, the imperial donation of goods to the people.

Background:
Liberalita’s coin types testify to instances in which the emperor showed his generosity to the people by distributing money, supplies, or even both. The first mention of Liberalitas is attested on the coins of Hadrian. Just these instances of imperial generosity were carefully circulated on coins for imperial propaganda. This denarius presented here advertises the fourth distribution made by Caracalla (and on behalf of his father Septimius Severus) to the respective recipients.

Liberalitas is personified by the image of a woman holding in one hand a counting board or a square tablet with a handle on which a certain number of holes have been cut. These boards were used to quickly count the correct number of coins or other items for distribution to each person. In her other hand she holds a cornucopia. If it is a double cornucopia, a double gift can be assumed.

The imperial family around Septimius Severus was quite generous with regard to congiaria and donativa. Immediately upon taking office in 193 BC above all, he sent rich gifts to the Senate (first Liberalitas, RIC IV Septimius Severus 18). The next grants were made as early as 196/197 AD (second Liberalitas, RIC IV Septimius Severus 81a) after the co-emperor and competitor Clodius Albinus found violent death and Septimius was able to take over sole rule.

A few years later, however, there was a veritable flood of monetary gifts.

In the year 202 AD Septimius Severus celebrated the tenth anniversary of his reign, the Decennials. For these celebrations, the emperor paid the praetorians and every citizen of Rome 10 pieces of gold (Herodian III 10, 3). Cassius Dio (LXXVI 1, 1) assures that never before has a donative of such magnitude been given (third Liberalitas, RIC IV Septimius Severus 276). In the same year he considered his loyal legions Legio I, II and III Parthica with another very extensive donative (fifth Liberalitas, RIC IV Septimius Severus 277). His departure for Africa in 203 AD is reason enough to distribute gifts of money again (sixth Liberalitas, RIC IV Septimius Severus 278a to 279).

The attentive reader will have noticed that the fourth liberalitas was missing from the list. The denarius of Caracalla presented here, minted under Septimius Severus, stands in the context of this distribution of donations. In addition to the reign celebrations of the emperor himself in 202 AD – the happy homecoming of the two Augusti Severus and Caracalla, as well as the Empress Iulia Domna and Geta from the East was celebrated with a celebration. The peak of popular entertainment was seven-day circus games. Soon after, Caracalla, who was only fourteen years old, married Plautilia, daughter of Plautianus, and gifts of money were distributed (fourth Liberalitas, RIC IV Caracalla 135).

These four liberalitas in the years 202 to 203 AD in their immense extent led to a noticeable national currency devaluation.

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