Publius Septimius Geta 197 bis 211 n.Chr.

Silber Denar Rom Publius Septimius Geta 210/211 n.Chr.

Münze:
Denar der römischen Kaiserzeit 211 n.Chr.
Material: Silber
Durchmesser: 19mm
Gewicht: 3,00g
Münzstätte: Rom
Provenienz: Numismatico Tintinna, Italien
Referenz: RIC IV Geta 84

Avers:
Zu sehen ist die nach rechts gerichtete Büste des Geta mit Lorbeerkranz. Die Inschrift lautet: P SEPT GETA PIVS AVG BRIT für Publius Septimius Geta Pius Augustus Britannicus.

Vielleicht schon Mitte 195 n.Chr. (spätestens 196 n.Chr.) wurde Getas Bruder Caracalla der Titel Caesar verliehen, womit er zum künftigen Kaiser designiert wurde. Eine entsprechende Rangerhöhung Getas blieb zunächst aus. Im Jahr 197 n.Chr. (spätestens 198 n.Chr.) erhielt Geta die Titel Caesar und Princeps iuventutis. Wohl gleichzeitig wurde Caracalla zum Augustus, das heißt zum nominellen Mitregenten des Vaters und dem amtierenden Kaisers Septimius Severus erhoben. Damit wurde wiederum Caracallas Vorrang festgeschrieben. Im Jahr 199 n.Chr. bekam Geta dann Amt und Titel des Pontifex verliehen. Im Jahr 209 n.Chr. erhielt Geta die Würde eines Augustus, womit seine bisherige rangmäßige Benachteiligung gegenüber seinem Bruder endete. Nach dem erfolgreichen Britannien Feldzug 210 n.Chr. nahmen sowohl Septimius Severus, als auch Caracalla und Geta den Siegernamen Britannicus maximus an.

Da Geta 10 Jahre lang als Prinz und Caesar am kaiserlichen Hof lebte, überwiegen die Portraitdarstellungen, die ihn als Jüngling zeigen. Etwa um das Jahr 204 n.Chr. wurden für Caracalla und Geta neue Bildnistypen geschaffen. Beide trugen nun das kurzgeschorene Haar, das in der Folge im 3. Jahrhundert n.Chr. zur führenden Frisurenmode wurde. Merkwürdigerweise sind die Typen der beiden Brüder einander so ähnlich, dass man sie nicht zuverlässig auseinanderhalten kann. Die Prägungen für Geta ähneln in Schnitt und Ausführungen daher stark den Münzen des Caracalla. Für beide gab es verschiedene Neuauflagen, die das Älterwerden durch zunehmenden Bartwuchs anzeigten.

Doch in den letzten Lebensmonaten des Geta vollzog sich im Porträtbild ein radikaler Wechsel. Er versuchte sich immer mehr optisch von seinem Bruder zu differenzieren und propagandierte damit auch ein politisches Statement. Die Münzbilder ähneln nun in der letzten Phase immer mehr dem Bildnis seines verstorbenen Vaters Septimius Severus. Ahnte Geta schon die Terrorherrschaft seines Bruders kommen und wollte sich als Alternative zur vorherigen Regierungszeit des Septimius Severus anbieten?

Revers:
Zu sehen auf einem nach links galoppierenden Pferd ist der in militärischer Tracht gekleidete Mitkaiser Publius Septimius Geta. Er hebt die rechte Hand, während er in der linken Hand ein Szepter hält. Die Inschrift lautet: ADVENTVS AVGVSTI für Adventus Augusti (Ankunft des Kaisers).

Der Begriff Adventus (von lateinisch advenire: „ankommen“) bezeichnet die Ankunft eines Herrschers und die damit verbundene Zeremonie. Die Entwicklung des letzteren Begriffs Adventus wird anhand von Beispielen spätantiker bis mittelalterlicher Quellen für Herrschereinzüge beschrieben. Die typische Adventusdarstellung zeigt den Kaiser auf einem Pferd reitend und mit einem erhobenen Arm grüßend, während der andere Arm einen Szepter als Symbol der kaiserlichen Macht hält. Der mythische Ursprung liegt im Triumph des Gottes Dionysos in Griechenland, der in der Antike jeweils im Frühjahr gefeiert wurde. Im Laufe der Zeit trat die dionysische Komponente zu Gunsten der militärischen zurück, welche sich mit den Triumphen der römischen Imperatoren in einem Staatsritual verfestigte. Als im Verlauf des 4. Jahrhunderts der Triumph – vielleicht unter anderem wegen seines nichtchristlichen Charakters – aus der Mode kam, wuchs die Bedeutung des Adventus, der auch für Christen akzeptabel war, immens. So verzeichnete der Chronograph Philocalus den Einzug Constantins in Rom – nach der Schlacht an der Milvischen Brücke – am 29. Oktober 312 n.Chr. als adventus Divi („Ankunft des Vergöttlichten“).

Adventus Inschriften, wie auf dem hier vorgestellten Denar, erinnern an die Ankunft des kaiserlichen Herrschers in Rom, entweder zu Beginn seiner Regierungszeit oder bei seiner Rückkehr aus der Ferne – sie beziehen sich aber auch auf seinen Besuch in einer Stadt oder Provinz des Reiches. Dabei wurde der Kaiser weder in einer Sänfte, in einem Wagen oder anderem Fahrzeug befördert, sondern zogen zu Fuß oder auf dem Rücken eines Pferdes ein. Reiterprozessionen sind zwar nicht durch schriftliche Quellen belegt, finden aber ihren Nachweis in zahlreichen Münzprägungen wieder. Der Einzug zu Fuß ist schriftlich u.a. durch Cassius Dio und seinem Bericht über Septimius Severus Fußmarsch in die Stadt Rom nachgewiesen. Auch der Auszug per Fuß ist numismatisch auf einer Bronze Münze des Caracalla mit der Inschrift „PROFECTIO AVG“ nachweisbar. Die Bronze zeigt den Kaiser beim Auszug zu Fuß aus Rom, ein Soldat folgt ihm. Adventus Prägungen sind zahlreich unter verschiedensten Kaiser vorhanden, wie unter Nero, Traian, Commodus, Septimius Severus, Philippus, Probus und vielen anderen Herrschern. Unter Hadrian sind viele Adventus Ehrungen und Prägungen bei seinen zahlreichen Besuchen der römischen Provinzen und deren Provinzstädte ausgegeben worden.

Hintergrund:
In den letzten Jahren seiner Herrschaft unternahm Septimius Severus mehrere Feldzüge zum Erhalt des römischen Machtanspruches in Britannien. Zudem sollten seine Söhne und designierten Nachfolger durch militärische Erfolge die Treue der Truppen erwerben. So machte sich die gesamte kaiserliche Familie im Jahr 208 n.Chr. auf den Weg in den Norden. Bereits auf dem Hinweg soll Caracalla den Germanischen Limes, auf Betreiben seiner Mutter Iulia Domna, inspiziert haben um die zwei verfeindeten Brüder zeitweise getrennt zu halten. In Britannien angekommen, verblieb Geta daher wohl auch als Statthalter zur zivilen Verwaltung im Süden der Insel, während Caracalla den Oberbefehl über das Heer erhielt. Die römischen Legionen stießen von Eboracum aus weit nach Norden vor und führten dabei einen blutigen Feldzug. Von seiner Krankheit gezeichnet konnte Septimius Severus die Schlachten teils nur von seiner Sänfte aus verfolgen, bis er schließlich am 4. Februar 211 n.Chr. in Eboracum verstarb. Inwiefern Caracalla mit Hilfe der Ärzte nachgeholfen haben soll, lässt sich heute nicht mehr sagen.

Nach dem Tod des Severus traten seine Söhne wie vorgesehen gemeinsam die Herrschaft an, wobei allerdings der Titel des Pontifex Maximus Caracalla vorbehalten blieb. Geta blieb lediglich Pontifex. Obwohl Caracalla damit erneut einen gewissen Vorrang beanspruchen konnte, scheint dieser nicht eindeutig genug gewesen zu sein, um die Machtverhältnisse zu klären. Die unerbittliche Feindschaft der beiden Brüder Geta und Caracalla trat nun offen zu Tage. Da Geta aber bei den Soldaten beliebt war, wagte es Caracalla vorerst nicht, offen gegen ihn vorzugehen. Die beiden Kaiser schlossen mit den Kaledoniern und Mäaten Frieden und kehrten mit getrenntem Hofstaat nach Rom zurück. Dort schützten sich beide durch sorgfältige Bewachung voreinander. In Rom war eine gespannte und sehr labile Lage entstanden. Die römische Stadtbevölkerung, die Prätorianer und die in der Hauptstadt und ihrer Umgebung stationierten Truppen waren gespalten oder unschlüssig, so dass ein Bürgerkrieg bevorzustehen schien. Unklar ist, ob es auch bei den Provinztruppen regional unterschiedliche Präferenzen gab. Beide Brüder versuchten nun möglichst viele Unterstützer zu finden.

Der hier vorgestellte Denar darf daher nicht im Kontext allein für eine (glückliche) Ankunft des Kaisers Geta in Rom gedeutet werden. Nach Christoph Klose könnte hier versucht worden sein, mehrere Botschaften zu vermitteln. Als Erstes die Darstellung des Kaisers Geta als erfolgreicher Oberbefehlshaber durch die Verwendung des Szepter und dem erhobenen rechten Arm, nicht als bloße Grußformel, sondern als eine Geste, welche Aktivität und Kontrolle des Kaisers ausdrücken. Ein erfolgreicher Feldherr zeichnet sich aber nicht allein durch seine Siege auf dem Schlachtfeld aus, sondern auch durch das Band mit dem ihm treu ergebenen Truppen – was sich wiederum auf Concordia und damit auf die göttliche Legitimität seiner Herrschaft bezieht. Das Pferd steht nicht still, es ist in aktiver Bewegung – auch dies symbolisiert einen Herrscher, welcher die Richtung vorbestimmt und den Takt vorgibt. Beritten auf dem Pferd kommt ihm zudem eine herausragende Stellung zu.

Nicht mit letzter Sicherheit, kann der exakte Prägezeitpunkt dieses Denars bestimmt werden. Laut Cassius Dio bereitete Septimius Severus einen erneuten Angriff gegen die Kaledonier und Mäaten in Schottland vor, als seine Krankheit ihn jedoch am 4. Februar 211 n.Chr. aus dem Leben nahm. Zu Beginn des Jahres wurden in Rom jedoch für Septimius Severus, Caracalla und auch Geta Münzen mit den Legendeninschriften „ADVENTVS AVGVSTI“ und „FORT RED“ geprägt. Dies könnte bedeuten, dass sich Septimius Severus vor seinem Tod aufgrund seines sich verschlechternden Gesundheitszustandes gezwungen sah nicht nur den Schottlandfeldzug abzubrechen, sondern auch Vorbereitungen für seine Rückkehr nach Rom zu treffen. Die erwähnten Münztypen müssten daher nach Bekanntwerden des neuen Plans, mit der Heimreise in die römische Hauptstadt, geprägt worden sein – als Septimius Severus noch lebte und Britannien noch nicht verlassen hatte.

Quellen:
* Wikipedia: Geta
* Wikipedia: Adventus
* NumisWiki: Adventus
* Archäologisches Institut Göttingen: Porträttypen römischer Kaiser
* Christoph Klose: Imperial „adventus-scenes“ and Interpretations of Roman Historical Reliefs

Obverse:
You can see the right-facing bust of Geta with a laurel wreath. The inscription reads: P SEPT GETA PIVS AVG BRIT for Publius Septimius Geta Pius Augustus Britannicus.

Perhaps already in the middle of 195 AD (at the latest in 196 AD) Geta’s brother Caracalla was given the title Caesar, which designated him as the future emperor. A corresponding elevation of Geta’s rank did not take place at first. In the year 197 AD (at the latest 198 AD) Geta received the titles Caesar and Princeps iuventutis. Probably at the same time Caracalla was elevated to Augustus, i.e. to the nominal co-ruler of his father and the reigning emperor Septimius Severus. This in turn established Caracalla’s primacy. Then in 199 AD Geta was given the office and title of pontifex. In 209 AD Geta received the dignity of Augustus, which ended his previous rank disadvantage compared to his brother. After the successful Britannia campaign in 210 AD, Septimius Severus, Caracalla and Geta all took the victorious name Britannicus maximus.

Since Geta lived for 10 years as a prince and Caesar at the imperial court, the portraits that show him as a youth predominate. Around the year 204 AD new types of portraits were created for Caracalla and Geta. Both now wore the short-cropped hair that subsequently became popular in the 3rd century AD became the leading hairstyle fashion. Oddly enough, the types of the two brothers are so similar that one cannot reliably tell them apart. The strikes for Geta are therefore very similar in cut and design to the coins of Caracalla. There were various new editions for both, which indicated aging through increasing beard growth.

However, in the last months of Geta’s life, a radical change took place in portraiture. He tried more and more to differentiate himself visually from his brother and thus also propagated a political statement. In the last phase, the coin images now resemble more and more the portrait of his deceased father Septimius Severus. Did Geta already suspect his brother’s reign of terror and wanted to offer himself as an alternative to the previous reign of Septimius Severus?

Reverse:
The co-emperor Publius Septimius Geta, dressed in military garb, can be seen on a horse galloping to the left. He raises his right hand while holding a scepter in his left hand. The inscription reads: ADVENTVS AVGVSTI for Adventus Augusti (Arrival of the emperor).

The term Adventus (from Latin advenire: „to arrive“) refers to the arrival of a ruler and the ceremony associated with it. The development of the latter term Adventus is described using examples from late antique to medieval sources for rulers‘ arrivals. The typical Adventus depiction shows the emperor riding a horse and raising one arm in salute while the other arm holds a scepter as a symbol of imperial power. The mythical origin lies in the triumph of the god Dionysos in Greece, which in ancient times was celebrated in spring. In the course of time, the Dionysian component receded in favor of the military, which solidified with the triumphs of the Roman emperors in a state ritual. When in the course of the 4th century the triumph fell out of fashion – perhaps partly because of its non-Christian character – the importance of Adventus, which was also acceptable to Christians, grew immensely. The chronograph Philocalus recorded the entry of Constantine into Rome – after the battle at the Milvian Bridge – on October 29, 312 AD as adventus divi („arrival of the deified“).

Adventus inscriptions, such as on the denarius presented here, commemorate the imperial ruler’s arrival in Rome, either early in his reign or on his return from afar – but they also refer to his visit to a city or province of the empire. The emperor was not transported in a sedan chair, carriage or other vehicle, but moved in on foot or on horseback. Although equestrian processions are not documented by written sources, they can be found in numerous coinages. The entry on foot is documented in writing by Cassius Dio and his report on Septimius Severus‘ march into the city of Rome. The extraction by foot can also be proven numismatically on a bronze coin of Caracalla with the inscription „PROFECTIO AVG“. The bronze shows the emperor leaving Rome on foot, followed by a soldier. Adventus coins are numerous under various emperors, such as Nero, Traian, Commodus, Septimius Severus, Philip, Probus and many other rulers. Under Hadrian, many honors and coins were issued during his numerous visits to the Roman provinces and their provincial cities.

Background:
In the last years of his reign, Septimius Severus undertook several campaigns to preserve Roman power in Britain. In addition, his sons and designated successors should earn the loyalty of the troops through military successes. So the entire imperial family made their way in 208 AD on the way north. On the way there, Caracalla is said to have inspected the Germanic Limes at the instigation of his mother Iulia Domna in order to keep the two feuding brothers separated at times. Arrived in Britain, Geta probably remained as governor for civil administration in the south of the island, while Caracalla was given supreme command of the army. The Roman legions advanced far north from Eboracum, waging a bloody campaign along the way. Marked by his illness, Septimius Severus was only able to follow the battles from his palanquin until he finally died on February 4, 211 AD died in Eboracum. To what extent Caracalla is said to have helped with the help of the doctors can no longer be said today.

After the death of Severus, his sons ruled jointly as intended, although the title of Pontifex Maximus remained reserved for Caracalla. Geta remained merely a pontiff. Although Caracalla could thus again claim a certain precedence, this does not seem to have been clear enough to clarify the balance of power. The implacable enmity of the two brothers Geta and Caracalla was now openly evident. However, since Geta was popular with the soldiers, Caracalla did not dare to openly take action against him at first. The two emperors made peace with the Caledonians and Maeats and returned to Rome with separate courts. There both protected each other by careful guarding. A tense and very unstable situation had arisen in Rome. The Roman urban population, the Praetorians, and the troops stationed in and around the capital were divided or divided, and civil war seemed imminent. It is unclear whether there were also regionally different preferences among the provincial troops. Both brothers tried to find as many supporters as possible.

The denarius presented here should therefore not be interpreted solely in the context of a (fortunate) arrival of Emperor Geta in Rome. According to Christoph Klose, an attempt could have been made here to convey several messages. First, the depiction of the Emperor Geta as a successful supreme commander through the use of the scepter and the raised right arm, not as a mere salutation but as a gesture expressing the Emperor’s activity and control. A successful general is not only characterized by his victories on the battlefield, but also by the bond with the troops loyal to him – which in turn refers to Concordia and thus to the divine legitimacy of his rule. The horse does not stand still, it is in active movement – this also symbolizes a ruler who predetermines the direction and sets the pace. He also has an outstanding position when mounted on horseback.

The exact minting date of this denarius cannot be determined with absolute certainty. According to Cassius Dio, Septimius Severus was preparing to attack again against the Caledonians and Maeats in Scotland, but when his illness struck him on February 4, 211 AD took out of life. At the beginning of the year, however, coins with the legend inscriptions „ADVENTVS AVGVSTI“ and „FORT RED“ were minted in Rome for Septimius Severus, Caracalla and also Geta. This may mean that before his death Septimius Severus was forced not only to abandon the Scottish campaign but also to make preparations for his return to Rome due to his deteriorating health. The coin types mentioned must therefore have been minted after the new plan, with the return journey to the Roman capital, became known – when Septimius Severus was still alive and had not yet left Britain.

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