Marcus Aurelius Antoninus Elagabal 218 bis 222 n.Chr.

Silber Denar Rom Marcus Aurelius Antoninus Elagabal 218/222 n.Chr.

Münze:
Denar der römischen Kaiserzeit 218/222 n.Chr.
Material: Silber
Durchmesser: 20mm
Gewicht: 4,02g
Münzstätte: Rom
Provenienz: V.L. Nummus, Innsbruck
Referenz: RIC IV Elagabalus 140b

Avers:
Zu sehen ist die nach rechts gerichtete drapierte Büste des Elagabal mit Lorbeerkranz. Die Inschrift lautet: IMP CAES M AVR ANTONINVS AVG für Imperator Caesar Marcus Aurelius Antoninus Augustus.

Elagabals ursprünglicher Name war Varius Avitus Bassianus. Als Kaiser nannte er sich Marcus Aurelius Antoninus, um wie sein angeblicher Vater Caracalla an die Antonine anzuknüpfen. Der Name Elagabal, den der von ihm verehrte Gott trug, wurde dem Kaiser erst lange nach seinem Tod beigelegt. Direkt nach der Machtübernahme im Jahr 218 n.Chr. erhielt Elagabal den Titel Augustus.

Die Porträts lassen in einzigartiger Weise den programmatischen Charakter der Bildnisstilisierung erkennen. Nachgewiesen sind aus der kurzen Regierungszeit zwei Bildnistypen, die jeweils in mehreren Exemplaren erhalten sind. Sie sind einander so unähnlich, dass unbefangene Betrachter sie nicht als Darstellungen ein und derselben Person erkennen würden. Schon immer bekannt war der charakteristische Typus, der Elagabal als jungen Mann mit vollem ovalem Gesicht, üppigen Lippen, halblangen Haarsträhnen und einem Jugendbart auf der Oberlippe und den Wangen darstellt. Er entspricht der Mehrzahl der Münzbilder Elagabals.

Erst spät erkannte man, dass auch der Typus eines Knaben mit eckigem Gesicht und kurzgeschnittenem, dickflockigem Haar, der in mehreren Exemplaren überliefert ist und deshalb einen Kaiser wiedergeben muss, Elagabal darstellt. Der Typus ist dem letzten Bildnistypus des Caracalla aus den Jahren 215-217 n.Chr. buchstäblich aus dem Gesicht geschnitten, bis hin zu den schmalen langen Augen, den prallen gespannten Gesichtsflächen, dem kurzen, dickflockigen Haar und dem leicht gebogenen Haarabschluss über der Stirn. Der Bezug wird dadurch verstärkt, dass er mit der kurzen Panzerbüste mit schräggezogenem Paludament verbunden ist, den die Werkstätten für Caracallas Bildnisse aus der Zeit seiner Alleinherrschaft erfanden und die auch für den letzten Bildnistypus Caracallas regelmäßig verwendet wurde. Für jeden erkennbar, stellten diese Bildnisse Elagabal als eine verjüngte Version des späten Caracalla, als seinen Sohn dar. Die frühesten Münzen des Elagabal bestätigen diese Deutung.

Die datierten Münzbildnisse zeigen aber auch, dass Elagabal schon kurz nach seiner Ankunft in Rom nichts mehr von dieser Stilisierung wissen wollte und ein neues Bildnis von sich machen ließ, bei dem man zumindest den Jugendbart und die vollen Lippen als persönliche Züge ansehen kann. Vielleicht sind diese Porträts ein Beleg dafür, wie schnell der junge Kaiser sich von der Bevormundung durch die Familie und die Berater frei machte.

Revers:
Zu sehen ist die nach rechts stehende Personifikation der Salus, welche in der linken ausgestreckten Hand eine Patera (Opferschale) hält, während sie in der rechten Armbeuge eine Schlange zum füttern stützt. Die Inschrift lautet: SALVS ANTONINI AVG für Salus Antonini Augusti (Wohlergehen des Augustus Antoninus).

Salus ist in der römischen Religion die Personifikation des Wohlergehens (lateinisch salus = Wohl, Wohlbefinden, Heil, Sicherheit, Gesundheit). Die weibliche Gottheit wurde meist thronend mit Szepter, Schale, Schlange oder mit Getreideähren dargestellt. Salus wurde vor allem mit dem Wohlergehen und der Sicherheit des römischen Staates, seiner Bewohner und in der Kaiserzeit auch der Herrscher in Verbindung gebracht. Entsprechend wurde die Gottheit auch als Salus publica oder als Salus populi Romani bezeichnet.

In der ältesten römischen Geschichte wurde zunächst jedes Jahr, dann in unregelmäßigen Abständen das Fest der Salus als Augurium Salutis gefeiert. Gaius Iunius Bubulcus Brutus gelobte 311 v.Chr. während des zweiten Samnitenkrieges die Errichtung eines Salus-Tempel, der 307 v.Chr. in Auftrag gegeben und am 5. August 302 v.Chr. auf dem Collis Quirinalis geweiht wurde. Möglicherweise gab es schon zuvor einen älteren Salus-Kult auf diesem Hügel.

Häufig wurde Salus in Verbindung mit Semonia verehrt und kann deshalb wohl auch als Saatgöttin angesehen werden. Beeinflusst durch griechisch-hellenistische Vorbilder und verbunden mit der Einführung des Äskulap-Kultes wurde Salus seit dem 2. Jahrhundert v.Chr. auch mit der griechischen Heilgöttin Hygieia verbunden, verlor damit aber nicht ihren Charakter als allgemeine Schutzgöttin des römischen Staates. Augustus errichtete noch 10 v.Chr. der Salus populi Romani einen Altar.

In augusteischer Zeit wurde das Fest des Augurium Salutatis zu Ehren des Kaisers gefeiert. Ein entsprechendes Fest des Kaisers Claudius ist für das Jahr 49 n.Chr. bezeugt. Die Göttin erfuhr als Salus Augusta große Verehrung als Göttin des staatlichen und kaiserlichen Wohlergehens. Vor allem unter Galba und Vespasian gab es eine erneute Renaissance dieses Kultes, jetzt jedoch als Zeichen der staatlichen Wiederherstellung nach der Herrschaft der Kaiser der julisch-claudischen Dynastie. Bis in die Zeit Hadrians werden auch häufig Darstellungen der Salus im Zusammenhang des Wohlergehens der Provinzen als Teil des Reiches nachgewiesen. Besonders verbreitet waren diese in Lusitanien und in der Baetica.

Hintergrund:
Elagabal war beileibe nicht der erste Kaiser, welche Salus, die Personifikation des Wohlergehens, auf seinen Münzen prägen ließ. Beachtlich jedoch, dass es unter ihm in seiner relativ kurzen Regierungszeit ganze sieben Salus Münztypen gab. Auch bezog sich Elagabal mit der Legendeninschrift „SALVS ANTONINI AVG“ explizit auf das Wohlergehen des Kaisers selbst – im Gegensatz manch anderer Kaiser, welche zum Beispiel mit „SALVS PVBLICA“ das Wohlergehen der römischen Gemeinschaft im Sinne hatten. Eine solchen Typus gibt es unter Elagabal jedoch nicht, Salus bezieht sich in seiner Münzprägung ausschließlich auf den Kaiser selbst. Hierbei handelte es sich auch in der Kernaussage um das physische, körperliche Wohlergehen des Kaisers – dies wird durch die Darstellung der Schlange ausgedrückt.

Eine solche Hoffnung war auch angebracht. Die Machtbasis des Elagabal war dünn und stand allein auf Füßen des Militärs und seiner anfänglichen Beliebtheit, da er sich für den leiblichen Sohn des Caracallas ausgegeben hatte. Im Grunde war er aber ein junger unbekannter fernöstlicher Spross aus dem Hause der Severer, mit denen die römische Oberschicht zwiespältige Erfahrungen gesammelt hatte. Jederzeit konnten aus den Provinzen oder aus dem stadtrömischen Adel sich Usurpatoren erheben und das Leben des jungen Herrschers bedrohen.

Quellen:
* Wikipedia: Elagabal
* Wikipedia: Salus
* Erika Manders: Coining Images of Power
* Archäologisches Institut Göttingen: Porträttypen römischer Kaiser

Obverse:
Visible is the draped bust of Elagabalus, facing right, with a laurel wreath. The inscription reads: IMP CAES M AVR ANTONINVS AVG for Imperator Caesar Marcus Aurelius Antoninus Augustus.

Elagabal’s original name was Varius Avitus Bassianus. As emperor, he called himself Marcus Aurelius Antoninus, like his alleged father Caracalla, to tie in with the Antonines. The name Elagabalus, borne by the god he worshiped, was not attributed to the emperor until long after his death. Immediately after the seizure of power in 218 AD Elagabalus received the title of Augustus.

The portraits reveal the programmatic character of portrait stylization in a unique way. There are two types of portraits from the short reign, several of which have survived. They are so dissimilar that an unbiased viewer would not recognize them as depictions of one and the same person. The characteristic type depicting Elagabalus as a young man with a full, oval face, luscious lips, half-length strands of hair and a youthful beard on the upper lip and cheeks has always been known. It corresponds to the majority of the coin images of Elagabalus.

It was only later that it was recognized that the type of a boy with a square face and short, thick, flaky hair, which has survived in several copies and must therefore represent an emperor, also represents Elagabalus. The type is the last portrait type of Caracalla from the years 215-217 AD literally cut from the face, right down to the long, narrow eyes, the plump, tense facial surfaces, the short, thick, fluffy hair and the slightly curved end of the hair over the forehead. The reference is reinforced by the fact that it is linked to the short armored bust with a slanted paludament, which was invented by the workshops for Caracalla’s portraits from the time of his autocracy and which was also regularly used for the last type of portrait of Caracalla. Recognizable to all, these images portrayed Elagabalus as a rejuvenated version of the late Caracalla, as his son. The earliest coins of Elagabalus confirm this interpretation.

However, the dated coin portraits also show that shortly after his arrival in Rome, Elagabalus wanted nothing more to do with this stylization and had a new portrait made of himself, in which at least the youthful beard and the full lips can be seen as personal traits. Perhaps these portraits are evidence of how quickly the young emperor freed himself from the tutelage of his family and advisors.

Reverse:
You can see the personification of Salus standing to the right, holding a patera (sacrificial bowl) in the outstretched left hand while supporting a feeding snake in the crook of the right arm. The inscription reads: SALVS ANTONINI AVG for Salus Antonini Augusti (well-being of Augustus Antoninus).

In the Roman religion, Salus is the personification of well-being (Latin salus = well-being, well-being, salvation, security, health). The female deity was usually depicted enthroned with a sceptre, bowl, snake or grain ears. Above all, Salus was associated with the well-being and security of the Roman state, its inhabitants and, in the imperial period, also the rulers. Accordingly, the deity was also referred to as Salus publica or as Salus populi Romani.

In the oldest Roman history, the festival of Salus was celebrated as Augurium Salutis, first every year and then at irregular intervals. Gaius Junius Bubulcus Brutus vowed 311 BC during the second Samnite war the construction of a Salus temple, which 307 BC commissioned and on August 5, 302 BC on the Collis Quirinalis was consecrated. There may have been an earlier Salus cult on this hill.

Salus was often worshiped in connection with Semonia and can therefore probably also be regarded as a seed goddess. Influenced by Greek-Hellenistic models and associated with the introduction of the Aesculapian cult, Salus became a city from the 2nd century BC also associated with the Greek goddess of healing Hygieia, but did not lose her character as the general tutelary goddess of the Roman state. Augustus erected 10 BC the Salus populi Romani an altar.

In Augustan times, the feast of the Augurium Salutatis was celebrated in honor of the emperor. A corresponding festival of Emperor Claudius is for the year 49 AD testifies. As Salus Augusta, the goddess was greatly worshiped as the goddess of state and imperial well-being. There was a renewed renaissance of this cult, especially under Galba and Vespasian, but now as a sign of state restoration after the rule of the emperors of the Julio-Claudian dynasty. Portrayals of the Salus in the context of the prosperity of the provinces as part of the empire are also frequently found up to the time of Hadrian. These were particularly widespread in Lusitania and Baetica.

Background:
Elagabalus was by no means the first emperor to have Salus, the personification of well-being, minted on his coins. It is remarkable, however, that during his relatively short reign there were a total of seven Salus coin types. Elagabalus also referred explicitly to the well-being of the emperor himself with the legend inscription „SALVS ANTONINI AVG“ – in contrast to many other emperors, who, for example, had the well-being of the Roman community in mind with „SALVS PVBLICA“. However, such a type does not exist under Elagabalus, Salus refers exclusively to the emperor himself in his coinage. The core statement was also about the physical well-being of the emperor – this is expressed by the depiction of the snake.

Such a hope was also justified. The power base of the Elagabalus was thin and rested solely on the feet of the military and his initial popularity for posing as Caracalla’s natural son. Basically, however, he was a young, unknown Far Eastern scion from the house of the Severi, with whom the Roman upper class had had mixed experiences. At any time, usurpers could rise up from the provinces or from the city-Roman nobility and threaten the life of the young emperor.

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