Iulia Avita Mamaea bis 235 n.Chr.

Silber Denar Rom Iulia Avita Mamaea 225/235 n.Chr.

Münze:
Denar der römischen Kaiserzeit 225/235 n.Chr.
Material: Silber
Durchmesser: 21mm
Gewicht: 2,91g
Münzstätte: Rom
Provenienz: Numidas Numismatic, Wien
Referenz: RIC IV Severus Alexander 332

Avers:
Zu sehen ist die nach rechts gerichtete drapierte Büste der Iulia Avita Mamaea mit einem Diadem. Die Inschrift lautet: IVLIA MAMAEA AVG für Iulia Mamaea Augusta.

Seit dem Jahr 222 n.Chr. trug Iulia Mamaea den Titel Augusta. Die severische Kaiserfamilie stellte die Herrschaftslegitimation durch die weiblichen Mitglieder der Familie auf den Umschriften der Münzen heraus. Ähnliches wurde bereits bei den Kaisern der julisch-claudischen Kaiserfamilie beobachtet.

Augusta (die Erhabene) ist eine Ehrenbezeichnung, die römische Kaiser ihren Ehefrauen oder nahen weiblichen Verwandten – etwa ihren Müttern, Schwestern, Großmüttern oder Töchtern – verleihen konnten. Sie stellt bis in die Spätantike das weibliche Gegenstück zum Titel Augustus dar, der im Römischen und frühen Byzantinischen Reich einen Bestandteil der Kaisertitulatur bildete. Obwohl nicht mit bestimmten rechtlichen oder politischen Kompetenzen ausgestattet, kam der Augusta-Würde ideologisch große Bedeutung zu. Die Augustae nahmen oft eine besondere, teils sehr machtvolle Stellung am kaiserlichen Hof ein.

Erstmals bekam Livia Drusilla, die langjährige dritte Ehefrau des ersten Kaisers Augustus, durch testamentarische Verfügung des verstorbenen Princeps im Jahr 14 n.Chr. den Namen Augusta verliehen. Aus dem ehrenhalber verliehenen Cognomen Augusta entwickelte sich zunehmend ein Titel der Kaisergattin oder anderer weiblicher Verwandter, der jedoch – wie auch der Augustus-Titel – keinerlei bestimmte rechtliche Kompetenzen verlieh. Auch fortan war der Augusta-Titel bedeutsam, da er in Gestalt der Augusta als Kaiserinmutter (mater principis) eine dynastische Herrschaft legitimieren konnte. Die Verleihung erfolgte durch einen Senatsbeschluss mit Zustimmung des Kaisers, häufig auch auf dessen Betreiben. Anlässe dafür waren vor allem der Herrschaftsantritt des Kaisers, die Eheschließung oder die Geburt eines Nachkommen. Die Augusta war die erste Frau im Staat, was ihr vor allem zeremonielle Würden und Aufgaben einbrachte. Jedoch waren nicht alle Kaisergattinnen Trägerinnen des Titels. Auch konnte die Verleihung abgelehnt werden (recusatio). Ob kaiserliche Frauen diese Ehre erfuhren oder nicht, gibt aber nicht zwingend Aufschluss über ihre politische Bedeutung. Unabhängig von der Verleihung des Titels Augusta wurden im griechischsprachigen Osten des Imperium Romanum Gattinnen oder weibliche Angehörige der Kaiser häufig mit dem ins Griechische übersetzten Namen Sebaste geehrt.

Iulia Domna führte den Augusta-Titel seit Herrschaftsbeginn ihres Gatten Septimius Severus im Jahr 193 n.Chr. Zudem trug sie als zweite Kaiserin nach Faustina Minor ab 195 n.Chr. den Titel einer mater castrorum, der ihr anlässlich ihrer Anwesenheit im Militärlager verliehen und der später zu mater castrorum et senatus et patriae erweitert wurde. Beide Titel wurden fortan parallel zueinander verwendet. Bei Iulia Mamaea, der Mutter des Severus Alexander, wurde die inoffizielle Titulatur einer spanischen Inschrift zufolge zu einer „Mutter des Heerlagers, des Senats, des Vaterlands und des ganzen Menschengeschlechts“ (mater castrorum et senatus et patriae et universi generis humani) gesteigert.

Septimius Severus Sohn Caracalla machte seine Frau Fulvia Plautilla zur Augusta. Nachdem ihr Vater Plautianus von Caracalla des geplanten Mordes an Septimius Severus bezichtigt und getötet worden war, verlor Plautilla jedoch ihren Titel, wurde verbannt und 211 n.Chr. schließlich ermordet. Ihr Name verfiel der damnatio memoriae. Unter den Severern kam zeitweise vor allem der Großmutter und Mutter des Kaisers die Augusta-Würde und außerordentliche politische Bedeutung zu. So führte Iulia Maesa, die Großmutter Kaiser Elagabals, den Augusta-Titel und widmete sich anstelle ihres unmündigen Enkels den Regierungsgeschäften. Elagabals Mutter und die Tochter Maesas, Iulia Soaemias, erlangte den Titel ebenso wie alle drei bezeugten Ehefrauen des Princeps, Iulia Paula, Aquilia Severa und Annia Faustina. Als Kaiserinmutter des Severus Alexander und Augusta übte Iulia Mamaea über die Volljährigkeit ihres Sohnes hinaus großen Einfluss auf die Regentschaft aus. Auch Severus Alexanders Frau Orbiana trug den Augusta-Titel. In severischer Zeit wurde außerdem der Titel sanctissima Augusta geschaffen, den Inschriften etwa für Iulia Maesa, Iulia Mamaea und Orbiana bezeugen und der sich bis zum Ende des 3. Jahrhunderts häufig findet. Zudem dokumentierten die meisten der machtbewussten Augustae des 3. Jahrhunderts ihre außerordentliche Stellung in eigenen Münzen.

Die Haarpracht und Haarmode der Severer Dynastie. Im Vergleich zu den schrillen Frisuren der flavischen und trajanischen Zeit, die keine hundert Jahre zurücklagen, wirkte das Arrangement der gebildeten syrischen Aristokratentochter Iulia Domna an der Seite des Kaisers Septimius Severus kompliziert, jedoch ein wenig statisch. Wie bei vielen ihrer Vorgängerinnen war die Art und Weise, wie die Haare getragen wurden, Teil des programmatischen kaiserlichen Gesamtkonzepts. Ging es doch darum, eine neue, dauerhafte Dynastie zu etablieren, deren Grundsatz der geregelten Verhältnisse sowohl auf familiärer als auf staatlicher Ebene gelten sollte. 

Iulia Domnas vertikal oder horizontal onduliertes Seitenhaar wurde im Bereich des Hinterkopfes von einem überdimensionalen, vertikalen Chignon überdeckt. Gelegentlich trug die Kaiserin auch einen kleineren Haarknoten im Genick, womit sie eine gewisse Solidarität mit ihrer Schwiegertochter Publia Fulvia Plautilla, ihrer Schwester sowie ihren Nichten Iulia Avita Mamaea und Iulia Soaemias Bassiana an den Tag legte. Auch die drei Schwiegertöchter eben jener Iulia Soaemias Bassiana und Gattinnen des Elagabal – Iulia Aquilia Severa, Annia Aurelia Faustina und Iulia Cornelia Paula – bildeten dabei keine Ausnahme. Dies galt in gleicherweise für Gnaea Seia Herennia Sallustia Barbia Orbiana als Schwiegertochter der Iulia Avita Mamaea und als Gattin an der Seite des Kaisers Severus Alexander. Allerdings zeigte sich das severische Kaiserhaus auch Experimenten gegenüber aufgeschlossen, was die Entwicklung des Scheitelzopfes enorm vorantrieb.

Revers:
Zu sehen ist die Personifikation der Fecunditas nach links sitzend. Die rechte Hand ist ausgestreckt zu einem Kleinkind, welches vor der sitzenden Fecunditas steht, während der linke Arm auf dem Sitz ruht. Die Inschrift lautet: FECVND AVGVSTAE für Fecunditas Augustae (Fruchtbarkeit der Kaiserin).

Fecunditas (oder wie auch auf diesem Denar Fecunditas Augusta) ist die römische Personifikation der Fruchtbarkeit, insbesondere der Kaiserinnen. Wobei sich diese primär auf jene der Frauen bezog und nur sehr selten im Zusammenhang mit der Natur gesehen wurde. Vom Aussehen her dachte man sie sich als Matrone entweder mit Füllhorn und Caduceus (Hermesstab) bzw. Zweig oder mit herumkrabbelnden und auf Händen getragenen Kindern.

Der Fecunditas wurde 63 n.Chr. auf Beschluss des Senats ein Tempel in Rom gelobt, nachdem Poppaea Sabina Kaiser Nero eine Tochter geboren hatte. Weitere Verehrungsstätten sind nicht nachgewiesen, sodass davon auszugehen ist der Kult habe vor allem privaten Charakter gehabt.

Hintergrund:
Fecunditas, die Personifikation der weiblichen Fruchtbarkeit, wurde auf Münzen abgebildet, um die durch die Geburt von Nachfolgern gesicherte Stabilität des Kaiserhauses zu bewerben. Insbesondere für Faustina die Jüngere, die Marcus Aurelius mindestens 14 Kinder gebar (von denen jedoch nur wenige längere Zeit überlebten), wurde ihre fecunditas durch Abbildungen der Göttin zelebriert. Auch in Bezug auf Iulia Domna, die, als ihr Mann Septimius Severus Kaiser wurde, bereits zwei gesunde Söhne als potenzielle Nachfolger geboren hatte, wurde die fecunditas der Ehefrau als Aushängeschild der Kaiserfamilie verwendet.

Auf diesem vorgestellten Denar der Iulia Mamaea wird die Fruchtbarkeit der Mutter des Kaiser Severus Alexander überhöht. Dies wird durch die Erwähnung der Augustae nach der Inschrift Fecunditas hervorgehoben. Fecunditas war es auch, welche Iulia Mamaea erlaubte dem Imperium einen neuen Prinzen zu geben. Damit werden auch die göttliche Fügung und Vorhersehung herausgestellt.

Quellen:
* Wikipedia: Iulia Mamaea
* Wikipedia: Fecunditas
* Wikipedia: Augusta
* Feminae: römische Frisuren der römischen Frauen

Obverse:
You can see the draped bust of Iulia Avita Mamaea with a diadem facing right. The inscription reads: IVLIA MAMAEA AVG for Iulia Mamaea Augusta.

Since the year 222 AD Iulia Mamaea bore the title of Augusta. The Severan imperial family emphasized the legitimation of power by the female members of the family on the inscriptions on the coins. Something similar has already been observed among the emperors of the Julio-Claudian imperial family.

Augusta (the sublime) is a title of honor that Roman emperors could bestow on their wives or close female relatives – such as their mothers, sisters, grandmothers or daughters. Until late antiquity it represented the female counterpart to the title Augustus, which was part of the imperial title in the Roman and early Byzantine Empires. Although not endowed with specific legal or political powers, the Augustan dignity was of great ideological importance. The Augustae often held a special, sometimes very powerful position at the imperial court.

For the first time, Livia Drusilla, the longtime third wife of the first Emperor Augustus, was granted a will by the deceased Princeps in 14 AD given the name Augusta. From the honorary cognomen Augusta, a title of the emperor’s wife or other female relatives increasingly developed, which, however – like the Augustus title – did not confer any specific legal powers. The Augusta title was also significant from then on, since it could legitimize dynastic rule in the form of Augusta as Empress Mother (mater principis). The award was made by a Senate decision with the consent of the emperor, often at his instigation. The main reasons for this were the emperor’s accession to power, marriage or the birth of a descendant. The Augusta was the first woman in the state, which above all brought her ceremonial dignities and duties. However, not all imperial wives were holders of the title. The award could also be rejected (recusatio). Whether imperial women received this honor or not does not necessarily provide information about their political importance. Irrespective of the granting of the title Augusta, in the Greek-speaking east of the Roman Empire, wives or female relatives of the emperors were often honored with the name Sebaste, translated into Greek.

Iulia Domna held the Augusta title from the beginning of her husband Septimius Severus‘ reign in 193 AD. In addition, she was the second empress after Faustina Minor from 195 AD the title of mater castrorum, given to her on the occasion of her presence in the military camp and later extended to mater castrorum et senatus et patriae. From then on, both titles were used in parallel. In the case of Iulia Mamaea, the mother of Severus Alexander, the unofficial title was increased according to a Spanish inscription to a „mother of the army camp, the senate, the fatherland and the entire human race“ (mater castrorum et senatus et patriae et universi generis humani).

Septimius Severus son Caracalla made his wife Fulvia Plautilla Augusta. However, after her father Plautianus was accused by Caracalla of planning the murder of Septimius Severus and killed, Plautilla lost her title, was banished and in 211 AD eventually murdered. Her name fell into damnatio memoriae. At times, under the Severans, the grandmother and mother of the emperor in particular held the Augusta dignity and extraordinary political importance. Iulia Maesa, the grandmother of Emperor Elagabalus, held the Augusta title and devoted herself to government affairs in place of her underage grandson. Elagabalus’s mother and Maesa’s daughter, Iulia Soaemias, attained the title, as did all three of the princeps‘ attested wives, Iulia Paula, Aquilia Severa, and Annia Faustina. As Empress Dowager of Severus Alexander and Augusta, Iulia Mamaea exercised great influence on the regency after her son had come of age. Severus Alexander’s wife Orbiana also held the Augusta title. In the Severan period, the title sanctissima Augusta was also created, which inscriptions attest to for example for Iulia Maesa, Iulia Mamaea and Orbiana and which is frequently found up to the end of the 3rd century. In addition, most of the power-conscious Augustae of the 3rd century documented their extraordinary position in their own coins.

The head of hair and hair fashion of the Severan dynasty. Compared to the flamboyant hairstyles of the Flavian and Trajanic periods less than a hundred years ago, the arrangement of the educated Syrian aristocrat’s daughter Iulia Domna at the side of Emperor Septimius Severus seemed complicated, but a little static. As with many of her predecessors, the manner in which the hair was worn was part of the overall imperial programmatic concept. After all, it was about establishing a new, permanent dynasty, whose principle of regulated relationships should apply both to the family and to the state level.

Iulia Domna’s vertically or horizontally undulated side hair was covered by an oversized, vertical chignon at the back of the head. Occasionally, the empress also wore a smaller bun at the nape of her neck, showing a certain solidarity with her daughter-in-law Publia Fulvia Plautilla, her sister and her nieces Iulia Avita Mamaea and Iulia Soaemias Bassiana. The three daughters-in-law of the same Iulia Soaemias Bassiana and wives of Elagabalus – Iulia Aquilia Severa, Annia Aurelia Faustina and Iulia Cornelia Paula – were no exception. The same applied to Gnaea Seia Herennia Sallustia Barbia Orbiana as daughter-in-law of Iulia Avita Mamaea and as wife at the side of Emperor Severus Alexander. However, the Severan imperial family was also open to experiments, which gave enormous impetus to the development of the crown braid.

Reverse:
The personification of Fecunditas is seated to the left. The right hand is stretched out to an infant standing in front of the seated Fecunditas, while the left arm rests on the seat. The inscription reads: FECVND AVGVSTAE for Fecunditas Augustae (Fertility of the Empress).

Fecunditas (or as on this denarius Fecunditas Augusta) is the Roman personification of fertility, especially that of empresses. Whereby this primarily referred to that of women and was only very rarely seen in connection with nature. In terms of appearance, she was thought to be a matron either with a cornucopia and caduceus (caduceus) or branch or with children crawling around and carried on her hands.

The Fecunditas was 63 AD pledged a temple in Rome by decision of the Senate after Poppaea Sabina had given birth to a daughter to Emperor Nero. No other places of worship have been identified, so it can be assumed that the cult was primarily of a private nature.

Background:
Fecunditas, the personification of female fertility, was depicted on coins to promote the stability of the imperial family through the birth of successors. In particular, for Faustina the Younger, who bore Marcus Aurelius at least 14 children (only a few of whom survived for long), her fecunditas was celebrated by depictions of the goddess. Also in relation to Iulia Domna, who by the time her husband Septimius Severus became emperor had already given birth to two healthy sons as potential successors, the fecunditas of the wife was used as a figurehead of the imperial family.

On this presented denarius of Iulia Mamaea, the fertility of Emperor Severus Alexander’s mother is exaggerated. This is emphasized by the mention of the Augustae after the Fecunditas inscription. It was also Fecunditas that allowed Iulia Mamaea to give the empire a new prince. This also emphasizes divine providence and providence.

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