Publius Septimius Geta 197 bis 211 n.Chr.

Silber Denar Rom Publius Septimius Geta 209 n.Chr.

Münze:
Denar der römischen Kaiserzeit 209 n.Chr.
Material: Silber
Durchmesser: 20mm
Gewicht: 3,55g
Münzstätte: Rom
Provenienz: Kölner Münzkabinett, Köln
Referenz: RIC IV Geta 59a

Avers:
Zu sehen ist die nach rechts gerichtete drapierte, kürrasierte Büste des Geta. Die Inschrift lautet: P SEPTIMIVS GETA CAES für Publius Septimius Geta Caesar.

Vielleicht schon Mitte 195 n.Chr. (spätestens 196 n.Chr.) wurde Getas Bruder Caracalla der Titel Caesar verliehen, womit er zum künftigen Kaiser designiert wurde. Eine entsprechende Rangerhöhung Getas blieb zunächst aus. Im Jahr 197 n.Chr. (spätestens 198 n.Chr.) erhielt Geta die Titel Caesar und Princeps iuventutis. Wohl gleichzeitig wurde Caracalla zum Augustus, das heißt zum nominellen Mitregenten des Vaters und dem amtierenden Kaisers Septimius Severus erhoben. Damit wurde wiederum Caracallas Vorrang festgeschrieben. Im Jahr 199 n.Chr. bekam Geta dann Amt und Titel des Pontifex verliehen. Im Jahr 209 n.Chr. erhielt Geta die Würde eines Augustus, womit seine bisherige rangmäßige Benachteiligung gegenüber seinem Bruder endete. Nach dem erfolgreichen Britannien Feldzug 210 n.Chr. nahmen sowohl Septimius Severus, als auch Caracalla und Geta den Siegernamen Britannicus maximus an.

Da Geta 10 Jahre lang als Prinz und Caesar am kaiserlichen Hof lebte, überwiegen die Portraitdarstellungen, die ihn als Jüngling zeigen. Etwa um das Jahr 204 n.Chr. wurden für Caracalla und Geta neue Bildnistypen geschaffen. Beide trugen nun das kurzgeschorene Haar, das in der Folge im 3. Jahrhundert n.Chr. zur führenden Frisurenmode wurde. Merkwürdigerweise sind die Typen der beiden Brüder einander so ähnlich, dass man sie nicht zuverlässig auseinanderhalten kann. Die Prägungen für Geta ähneln in Schnitt und Ausführungen daher stark den Münzen des Caracalla. Für beide gab es verschiedene Neuauflagen, die das Älterwerden durch zunehmenden Bartwuchs anzeigten.

Doch in den letzten Lebensmonaten des Geta vollzog sich im Porträtbild ein radikaler Wechsel. Er versuchte sich immer mehr optisch von seinem Bruder zu differenzieren und propagandierte damit auch ein politisches Statement. Die Münzbilder ähneln nun in der letzten Phase immer mehr dem Bildnis seines verstorbenen Vaters Septimius Severus. Ahnte Geta schon die Terrorherrschaft seines Bruders kommen und wollte sich als Alternative zur vorherigen Regierungszeit des Septimius Severus anbieten?

Revers:
Zu sehen ist ein nach links stehender nackter Genius (Geta), welcher in der linken Hand Kornähren und in der rechten Hand eine Patera (Trankopferschale) über einen geschmückten und beleuchteten Altar hält. Die Inschrift lautet: PONTIF COS II für Pontifex Consul (zum zweiten Male).

Das Römische Volk verehrte neben Gottheiten wie beispielsweise Iuppiter, Minerva und Merkur auch Genien, kleine persönliche Schutzgeister, die von der Geburt bis zum Tod den Menschen begleiteten. Der Genius eines Menschen war allgegenwärtig – ähnlich wie ein Schutzengel. Der gutmütige Genius war für positive Ereignisse im Leben eines Menschen verantwortlich und brachte Glück und Erfolg mit sich. Dem gegenüber bescherte der bösartige Genius dem Menschen Verderben und Unglück und brachte ihn auf Abwege. Im Allgemeinen waren es Schutzgeister, die den Menschen auf der rauen Lebensbahn geleiteten, ihn behüteten und rettend durch Drangsale und Gefahren führten. Die Genien der römischen Frauen hießen Iunonen, die Slaven schwuren bei dem Genius ihrer Herren, die Sklavinnen bei dem ihrer Gebieterin. Dem guten, weißen Genius stand ein böser, der schwarze Genius gegenüber, welchem der kleingläubige Mensch das Missgeschick, welches ihn betroffen, und das häufig aus seiner eigenen, kurzsichtigen Handlungsweise hervorging, gern und um einen Trost oder eine Selbstentschuldigung zu finden, beimaß. Der Glaube an Genien entstand aus der Ahnung einer allwaltenden, helfenden und strafenden Gottheit, die menschliche Fantasie suchte diese Ahnung zu personifizieren. War Jemand von den Pfaden der Tugend gewichen, hatte er das Selbstvertrauen, das richtige Ziel verloren, so sagte man: sein guter Genius ist von ihm gewichen.

Der Genius war in der römischen Religion der persönliche Schutzgeist eines Mannes und Ausdruck seiner Persönlichkeit, seiner Schicksalsbestimmung und insbesondere seiner Zeugungskraft. Mit dem Tod des Mannes erlosch der Genius. Ursprünglich waren die Genien Ahnengeister, die über ihre Nachkommen wachten. Aus diesen entwickelten sich persönliche Schutzgeister, denen man opferte und von denen man sich Hilfe und Inspiration in schwierigen Lebenssituationen erhoffte. Das Fest des Genius war der Geburtstag des Trägers. Da der Genius als eine Art Wirkungsprinzip aufgefasst wurde, konnten auch andere Kollektive wie Truppenteile, Kollegien oder selbst der Senat, aber auch Orte (Genius loci) wie Provinzen, Städte, Märkte und Theater einen Genius haben. Von da bis zum übergreifenden Genius Roms (Genius urbis Romae bzw. Genius populi Romani) ist nur ein Schritt. Im Kaiserkult schließlich wurde der Genius Augusti verehrt.

Dargestellt wurde der Genius meist bärtig (in späterer Zeit auch als Knabe), mit freiem Oberkörper, Füllhorn und meist einer Opferschale.

Der Pontifex war im römischen Reich ein sakraler Beamter (ungenau als Priester bezeichnet). Die Pontifices waren in einem Gremium, dem Collegium pontificum zusammengefasst. Das Pontifikalkollegium war diejenige Behörde, die für die Wahrnehmung aller Zeremonien und Opfer nach dem patrius ritus zuständig war. Ihnen fielen alle Aufgaben des regelmäßigen staatlichen Gottesdienstes zu, die nicht anderweitig besonders geordnet waren. Der Vorsteher des Kollegiums war der Pontifex Maximus.

Die Aufgabe der Pontifices bestand vor allem in der Überwachung aller religiösen Vorschriften. Sie waren zunächst angeblich – laut sehr viel späterer Überlieferung – buchstäblich als Brückenbauer, die die erste Tiberbrücke unterhielten (den pons sulicius), zugleich für den Kontakt mit dem Flussgott Tiber zuständig, was ihrer Bedeutung als Berater in allen rechtlichen – und damit religiösen – Handlungen versinnbildlicht. Sicher ist, dass sie nach Ansicht der Römer die geheimnisvolle Welt der Götter kannten und daher die Menschen in allen religiösen Fragen – wozu gerade das Recht gehörte – beraten konnten. Die Beratung erfolgte unentgeltlich. Aufgrund ihrer sakralen Stellung beherrschten die pontifices die Regeln für den Verkehr Roms mit den Göttern (ius sacrum) wie auch des Verkehrs der Römer untereinander (ius).

Sie legten daher die Gerichtstage fest, kannten die Klageformeln des altrömischen Prozesses und die Formeln für den Abschluss von Rechtsgeschäften. Nach der Auffassung der römischen Frühzeit kam es nämlich wie beim Gebet auch in Rechtsdingen auf den Gebrauch der richtigen Wörter an. Die Gebets- und Rechtsformeln (fasti) waren nach der damaligen Vorstellung Zauberformeln. Die fasti wurden im Archiv des Kollegiums aufbewahrt und waren geheim. Die pontifices hatten also in Rechtsdingen zunächst eine Monopolstellung, die sie jedoch verloren, als die fasti veröffentlicht wurden. Damit wurden Rechtspflege und Rechtswissenschaft verweltlicht. Die Entwendung soll um 300 v.Chr. geschehen sein. Sie wird dem Schreiber Gnaeus Flavius zugeschrieben. Nach ihm wird sie auch ius Flavianum genannt.

Hintergrund:
Geta stand bereits in jungen Jahren immer im Schatten seines älteren Bruders Caracalla. Sein Bruder wurde stets bevorzugt. Im Jahr 195 oder 196 n.Chr. erhielt Caracalla den Titel Caesar, sein Bruder ging dabei leer aus. Als Geta dann im Jahr im Jahr 197 bzw. 198 n.Chr. zum Caesar erhoben wurde, bekam sein Bruder den Titel Augustus und wurde damit Mitregent seines Vaters Septimius Severus.

Eine weitere Zurückstellung Getas zeigte sich bei den angenommenen Adoptivnamen. Septimius Severus gab sich ab Frühjahr 195 n.Chr. zum Zweck der Legitimierung seiner Herrschaft als Adoptivsohn des 180 n.Chr. gestorbenen Kaisers Mark Aurel aus. Mit dieser Fiktion wollte er sich in die Tradition der Adoptivkaiser stellen. Daher erhielt auch Caracalla als fiktiver Enkel Mark Aurels den Namen dieses beliebten Herrschers: Er hieß fortan Marcus Aurelius Antoninus, wurde also wie sein Vater als Angehöriger von Mark Aurels Familie, des Kaisergeschlechts der Antonine, betrachtet. Geta hingegen wurde nicht umbenannt, also nicht fiktiv in das Geschlecht der Antonine aufgenommen.

Bei den Namen gibt es eine Merkwürdigkeit, deren genauen Umstände es mir bis heute nicht gelungen ist zu klären. Geboren wurde er als Publius Severus Geta. Um das Jahr 198 n.Chr. erscheint dann auf stadtrömischen Münzprägungen die Legende Lucius Septimius Geta, auf einigen Provinzbronzen sogar Lucius Publius Septimius Geta. Hier könnte es sich um einen Namenszusatz in Beziehung zu Lucius Verus (dem Mitkaiser des Marc Aurel) oder zu Commodus (Lucius Aurelius Commodus) handeln. Doch bereits im Jahr 200 n.Chr. zwei Jahre später, existieren nur noch stadtrömische Prägungen mit der Legende Publius Severus Geta – Lucius wird bis zu seinem Lebensende als Teil der Inschriften nie wieder auftauchen.

So oder so stand Geta zeitlebens in direktem Konflikt mit seinem älteren Bruder und scheint seine Position innerhalb der Familie nie wirklich gefunden zu haben. Geta wurde überschüttet mit Titeln, wie Caesar, Pontifex, erster der Jugend und viele anderen Ehrungen, welche allerdings nur hübscher Tand waren. Aktiv konnte er kaum im Imperium mitwirken noch hatte er wirkliche Machtbefugnisse. Das letzte Wort hatte immer sein Vater oder sein Bruder Caracalla. 

Quellen:
* Wikipedia: Geta
* Wikipedia: Genius
* Wikipedia: Pontifex
* Zeno.org: Genien
* Peter Robert Franke, Ilse Paar: die antiken Münzen der Sammlung Heynen
* Archäologisches Institut Göttingen: Porträttypen römischer Kaiser

Obverse:
The draped, cuirassed bust of Geta facing right can be seen. The inscription reads: P SEPTIMIVS GETA CAES for Publius Septimius Geta Caesar.

Perhaps already in the middle of 195 AD (at the latest in 196 AD) Geta’s brother Caracalla was given the title Caesar, which designated him as the future emperor. A corresponding elevation of Geta’s rank did not take place at first. In the year 197 AD (at the latest 198 AD) Geta received the titles Caesar and Princeps iuventutis. Probably at the same time Caracalla was elevated to Augustus, i.e. to the nominal co-ruler of his father and the reigning emperor Septimius Severus. This in turn established Caracalla’s primacy. Then in 199 AD Geta was given the office and title of pontifex. In 209 AD Geta received the dignity of Augustus, which ended his previous rank disadvantage compared to his brother. After the successful Britannia campaign in 210 AD, Septimius Severus, Caracalla and Geta all took the victorious name Britannicus maximus.

Since Geta lived for 10 years as a prince and Caesar at the imperial court, the portraits that show him as a youth predominate. Around the year 204 AD new types of portraits were created for Caracalla and Geta. Both now wore the short-cropped hair that subsequently became popular in the 3rd century AD became the leading hairstyle fashion. Oddly enough, the types of the two brothers are so similar that one cannot reliably tell them apart. The strikes for Geta are therefore very similar in cut and design to the coins of Caracalla. There were various new editions for both, which indicated aging through increasing beard growth.

However, in the last months of Geta’s life, a radical change took place in portraiture. He tried more and more to differentiate himself visually from his brother and thus also propagated a political statement. In the last phase, the coin images now resemble more and more the portrait of his deceased father Septimius Severus. Did Geta already suspect his brother’s reign of terror and wanted to offer himself as an alternative to the previous reign of Septimius Severus?

Reverse:
A naked genius (Geta) is shown standing to the left, holding ears of corn in his left hand and a patera (libation bowl) in his right hand over a decorated and illuminated altar. The inscription reads: PONTIF COS II for Pontifex Consul (for the second time).

In addition to deities such as Iuppiter, Minerva and Mercury, the Roman people also worshiped genii, small personal guardian spirits who accompanied people from birth to death. A man’s genius was omnipresent – much like a guardian angel. Good-natured genius was responsible for positive events in a person’s life, bringing luck and success. On the other hand, the malicious genius brought man ruin and misfortune and led him astray. In general, it was guardian spirits that guided people on the rough path of life, protected them and led them through tribulations and dangers to save them. The geniuses of Roman women were called Iunoni, the Slavs swore by the genius of their masters, and the female slaves by that of their mistress. The good, white genius was opposed to a bad, black genius, to whom the man of little faith gladly ascribed the misfortune that befell him, which often arose from his own short-sighted actions, and in order to find some consolation or self-excusation. The belief in genii arose from the notion of an all-ruling, helping and punishing deity, and human imagination sought to personify this notion. If someone has strayed from the path of virtue, if he has lost self-confidence, if he has lost the right aim, it is said: his good genius has departed from him.

In the Roman religion, the genius was the personal protective spirit of a man and an expression of his personality, his destiny and in particular his procreative power. With the death of the man, the genius died out. Originally, the genii were ancestral spirits who watched over their descendants. From these, personal protective spirits developed, to which sacrifices were made and from which one hoped to get help and inspiration in difficult life situations. The festival of genius was the bearer’s birthday. Since the genius was understood as a kind of operating principle, other collectives such as military units, colleges or even the senate, but also places (genius loci) such as provinces, cities, markets and theaters could have a genius. From there to the overarching genius of Rome (Genius urbis Romae or Genius populi Romani) is only one step. Finally, the Genius Augusti was worshiped in the imperial cult.

The genius was usually depicted bearded (later also as a boy), with a shirtless upper body, a cornucopia and usually a sacrificial bowl.

The pontifex was a sacred official (inaccurately called a priest) in the Roman Empire. The pontifices were grouped together in a body, the Collegium pontificum. The pontifical college was the authority responsible for administering all ceremonies and sacrifices according to the patrius rite. They were responsible for all the tasks of regular state worship that were not otherwise specifically arranged. The head of the college was the Pontifex Maximus.

The main task of the pontifices was to monitor all religious regulations. They were initially – according to much later tradition – literally as bridge builders who maintained the first Tiber bridge (the pons sulicius), at the same time responsible for contact with the river god Tiber, which is their importance as advisors in all legal – and thus religious – actions symbolized. What is certain is that, according to the Romans, they knew the mysterious world of the gods and were therefore able to advise people on all religious questions, which included the law. The advice was free of charge. Due to their sacred position, the pontifices ruled the rules for Rome’s dealings with the gods (ius sacrum) as well as the dealings between the Romans themselves (ius).

They therefore determined the court days, knew the formulas of complaint of the ancient Roman process and the formulas for the conclusion of legal transactions. According to the view of the early Roman period, as in prayer, the use of the right words was also important in legal matters. According to the ideas of the time, the prayer and legal formulas (fasti) were magic formulas. The fasti were kept in the college archives and were secret. The pontifices initially had a monopoly in legal matters, which they lost when the fasti were published. The administration of justice and jurisprudence were thus secularized. The theft is said to have occurred around 300 BC to have happened. It is attributed to the scribe Gnaeus Flavius. She is also called ius Flavianum after him.

Background:
From a young age, Geta was always overshadowed by his older brother Caracalla. His brother was always preferred. In the year 195 or 196 AD Caracalla received the title of Caesar, his brother got nothing. When Geta then in the year 197 or 198 AD was raised to Caesar, his brother received the title of Augustus and thus became co-regent of his father Septimius Severus.

A further deferral of Geta was shown in the adopted adoptive names. Septimius Severus surrendered from the spring of 195 AD for the purpose of legitimizing his rule as an adopted son of 180 AD deceased Emperor Mark Aurel. With this fiction he wanted to place himself in the tradition of the adoptive emperors. This is why Caracalla, as Mark Aurel’s fictitious grandson, was given the name of this popular ruler: From then on he was called Marcus Aurelius Antoninus, so like his father he was considered a member of Mark Aurel’s family, the imperial family of the Antonines. Geta, on the other hand, was not renamed, i.e. not fictitiously included in the family of the Antonines.

There is an oddity about the names, the exact circumstances of which I have not been able to clarify to this day. He was born Publius Severus Geta. Around the year 198 AD then the legend Lucius Septimius Geta appears on Roman city coins, and even Lucius Publius Septimius Geta on some provincial bronzes. This could be a suffix related to Lucius Verus (the co-emperor of Marc Aurel) or to Commodus (Lucius Aurelius Commodus). But already in the year 200 AD two years later, only Roman coins with the legend Publius Severus Geta still exist – Lucius will never appear again as part of the inscriptions until the end of his life.

Either way, Geta was in direct conflict with his older brother throughout his life and never seems to have really found his position within the family. Geta was showered with titles such as Caesar, Pontifex, First of Youth, and many other honors, which, however, were only pretty baubles. He could hardly participate actively in the Empire, nor did he have any real powers. His father or his brother Caracalla always had the last word.

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